Stechmücken Wen juckts?
Der Sommer im Garten könnte so idyllisch sein. Die Blumen blühen, das Gemüse gedeiht und der nächste Grillabend steht an. Doch sitzt man draußen, beginnt das vertraute und hochfrequente Summen am Ohr, gefolgt von juckenden Quaddeln. Stechmücken sind nicht nur lästig, sie können den wohlverdienten Feierabend im Grünen gründlich vermiesen. Doch Mücke ist nicht gleich Mücke. Wer seine Feinde kennt, kann gezielter gegen sie vorgehen und das, ohne der Natur zu schaden.
Schichtwechsel im Garten: Wer sticht wann?
Viele glauben, Mücken seien nur in der Dämmerung aktiv. Das war früher weitestgehend richtig, doch das Bild hat sich gewandelt. Heute teilen sich verschiedene Arten den Dienstplan, um uns rund um die Uhr zu ärgern.
Die Gemeine Stechmücke ist der Klassiker in unseren Gärten. Sie ist vor allem dämmerungs- und nachtaktiv. Sie liebt stickige Sommernächte und schleicht sich gerne durch geöffnete Fenster in die Schlafzimmer. Dann gibt es die Überschwemmungsmücken. Diese Arten tauchen oft massenhaft nach starken Regenfällen auf. Ihre Eier können jahrelang im trockenen Boden überdauern und schlüpfen schlagartig, wenn Wiesen oder Gräben überflutet werden. Sie sind oft auch tagsüber sehr aggressiv. Ein neuer Gast ist die Asiatische Tigermücke, die sich durch die Klimakrise auch in unseren Breitengraden wohlfühlt. Das Besondere und Tückische ist hierbei, dass sie tagaktiv ist. Wer also beim Unkrautzupfen in der prallen Mittagssonne gestochen wird, hat es oft mit dieser markant gestreiften Art zu tun.
Warum wir auf dem Speiseplan stehen
Oft schimpfen wir auf die Mücken, doch biologisch gesehen müssten wir eigentlich nur auf die Mückendamen wütend sein. Die männlichen Stechmücken sind nämlich völlig friedfertig. Sie ernähren sich ausschließlich von Nektar sowie Pflanzensaft und tragen so sogar zur Bestäubung bei.
Die Weibchen hingegen benötigen für die Entwicklung ihrer Eier eine Extraportion Proteine und Eisen. Diese Nährstoffe gewinnen sie aus unserem Blut. Mit ihrem hochkomplexen Stechapparat suchen sie nach Kapillaren unter unserer Haut. Dabei injizieren sie einen Speichel, der die Blutgerinnung hemmt. Genau dieser Stoff ist es, der später die Immunreaktion, das Jucken und die Schwellung auslöst. Dass sie uns überhaupt finden, liegt an einer Kombination aus unserem ausgeatmeten Kohlendioxid, der Körperwärme und bestimmten Duftstoffen im Schweiß, wie zum Beispiel Milchsäure. Da jeder Mensch ein individuelles Duftprofil besitzt, werden manche Menschen scheinbar magisch angezogen, während andere fast völlig verschont bleiben.
Alles beginnt im Wasser
Eines haben alle Arten gemeinsam: Für ihre Entwicklung benötigen sie stehendes Wasser. Dabei reicht schon eine winzige Menge aus. Ein vergessener Untersetzer, eine verstopfte Dachrinne oder die Astgabel eines Baumes, in der sich Regenwasser sammelt, wird zur Kinderstube für hunderte Larven. Die Weibchen legen ihre Eier auf die Wasseroberfläche oder an den feuchten Rand von Gefäßen. Aus den Eiern schlüpfen Larven, die im Wasser hängen und über ein Atemrohr Luft holen. In diesem Stadium sind sie am verwundbarsten, und genau hier setzen wir als GärtnerInnen an.
Biologische Abwehr
Ein spezieller Bakterienstamm richtet sich gezielt gegen Zweiflügler wie Stechmücken: Bacillus thuringiensis israelensis, kurz BTI. Produkte wie Culinex® Tab plus enthalten spezifische Eiweißkristalle, die ausschließlich für die Larven von Zweiflüglern wirksam sind. Nach der Aufnahme über das Wasser schädigen diese Kristalle den Darm der Larven, sodass sie innerhalb kurzer Zeit absterben.
Da BTI hoch selektiv wirkt, werden andere Wasserorganismen, Haustiere oder Vögel nicht beeinträchtigt. Auch das behandelte Wasser kann weiterhin bedenkenlos zum Gießen von Gartenpflanzen verwendet werden. BTI stellt damit eine umweltverträgliche und effektive Methode zur biologischen Bekämpfung von Stechmückenlarven dar. Die Anwendung erfolgt von März bis Oktober je nach Temperatur und Befall alle ein bis zwei Wochen.
Nützlinge als natürliche Mückenpolizei
Wer die Mückenpopulation langfristig und nachhaltig senken will, sollte nicht nur die Larven bekämpfen, sondern auch die natürlichen Jäger fördern. Ein intakter Garten ist ein Ökosystem, in dem Räuber und Beute im Gleichgewicht stehen.
Die Akrobaten der Nacht sind die Fledermäuse. Sie sind die effektivsten Mückenjäger, die man sich wünschen kann. Eine einzige Fledermaus kann in einer Nacht bis zu zweitausend Insekten fressen, wobei ein Großteil davon Stechmücken sind. Um diese faszinierenden Säugetiere in den Garten zu locken, sind Fledermaushöhlen ideal. Im Gegensatz zu Vogelnistkästen haben diese den Einflugschlitz an der Unterseite. Die Fledermaushöhlen sollten an rauen Hauswänden oder hohen Bäumen in mindestens drei bis vier Metern Höhe angebracht werden. Wichtig ist eine freie Flugbahn, damit die Tiere sicher starten und landen können.
Auch Libellen sind wahre Kampfjets am Gartenteich. Wer einen Teich hat, sollte diesen so gestalten, dass sich Libellen wohlfühlen. Libellenlarven leben räuberisch unter Wasser und fressen mit Vorliebe Mückenlarven. Die ausgewachsenen Libellen wiederum jagen die fliegenden Mücken direkt aus der Luft. Ein fischfreier Teich mit einer guten Flachwasserzone und vielen Wasserpflanzen ist hier die beste Kinderstube für diese nützlichen Flugkünstler.
Ebenso leisten Schwalben und Mauersegler Schwerstarbeit bei der Insektenjagd. Durch das Anbringen von Nisthilfen an Schuppen oder der Laube unterstützen wir diese Vögel, die während der Aufzucht ihrer Jungen unermüdlich nach Nahrung suchen.
biohelp - Garten & Bienen
Informationen, Beratung zu allen Nützlingen und Pflanzenschutzmitteln sowie alle Produkte finden Sie unter shop.garten-bienen.at
Shop in Wien Simmering: Kapleigasse 16, 1110 Wien,
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr
Vorbeugen ist besser als Behandeln
Trotz BTI und Nützlingen bleibt die beste Strategie die Vermeidung. Ein mückensicherer Garten beginnt beim Aufräumen. Vorbeugend sollten alle unnötigen Wasserbehälter beseitigt werden, um die Population im Vorhinein zu begrenzen. Gießkannen, Kübel und nicht verwendete Pflanzgefäße sollte man so hinstellen, dass sich kein Wasser darin sammeln kann. Regentonnen sollten zudem mit einem feinmaschigen Netz oder einem festen Deckel versehen werden. Das verhindert die Eiablage von vornherein. Denken Sie auch an die Vogeltränke: Das Wasser in Vogeltränken sollte alle zwei bis drei Tage komplett gewechselt und das Gefäß kurz ausgebürstet werden.
Fazit
Ein mückenfreier Garten bedeutet nicht, die chemische Keule zu schwingen. Durch ein besseres Verständnis der verschiedenen Arten und deren Aktivitätszeiten sowie den gezielten Einsatz von biologischen Mitteln wie BTI können wir die Plagegeister effektiv in Schach halten. Die Kombination aus Prävention, biologischer Kontrolle und der Förderung der Vielfalt durch Fledermausoder Vogelnisthöhlen ist der cleverste Weg. Sprechen Sie uns gerne auf die verschiedenen Nisthilfen an. So bleibt der Kleingarten das, was er sein soll: Eine Oase der Ruhe zu jeder Tageszeit.
von Nadia Dengg (Umweltpädagogin) biohelp Garten & Bienen