Knoblauchkröte

Die Knoblauchkröte

Ein unsichtbarer Nachbar

Im mitteleuropäischen Frühling beginnt wieder jene Zeit, in der Amphibien aus der Winterstarre erwachen und ihre Aktivität aufnehmen. Eine der ungewöhnlichsten Amphibienarten Österreichs ist die Knoblauchkröte (Pelobates fuscus).

 

Wegen ihrer bemerkenswerten Lebensweise bleibt sie vielen verborgen, weil sie einen Großteil des Jahres unter der Erdoberfläche verbringt und meist nur nachts aktiv ist. Besonders ihre Strategie zum Überwintern unterscheidet sie von anderen heimischen Amphibien: Sie gräbt sich sehr tief in den Boden ein und nutzt seine Temperaturstabilität, um lange Frostperioden zu überdauern.

Aussehen

Die Knoblauchkröte ist eine gedrungene Amphibienart mit einer Körperlänge von etwa 5 bis 8 Zentimeter. Ihre Oberseite weist eine bräunlich-graue bis olivfarbene Grundfärbung mit meist länglichen dunkleren Flecken auf. Außerdem haben viele Tiere rötliche Tupfen und Warzen an den Flanken. Charakteristisch sind die senkrechten Pupillen ihrer Augen, die ihr ein unverwechselbares Gesicht verleihen und die großen Grabschaufeln an den Hinterbeinen, mit denen sie sich ins Erdreich gräbt. Anders als viele andere Kröten besitzt sie keine ausgeprägten Ohrdrüsen (Parotiden), was ihr Aussehen weiter von „klassischen“ Kröten unterscheidet. Ihr deutscher Name rührt von einem charakteristischen Geruch her: Bei Bedrohung sondert die Knoblauchkröte ein Sekret ab, welches schwach an Knoblauch erinnert.

Verbreitung, Lebensraum und Gefährdung

In Österreich kommt die Knoblauchkröte regional verteilt vor, unter anderem im Donautal und in tieferen Lagen bis etwa 500 Metern Höhe. Sie besiedelt offene Landschaften mit lockeren, grabfähigen Böden, wie sie etwa in Sand- und Lössgebieten, ruderalen Flächen oder auf extensiv genutzten Feldern zu finden sind. Als Laichgewässer nutzt sie vegetationsreiche Stillgewässer, Teiche, überschwemmte Wiesen oder Gräben mit ausreichender Wassertiefe.

Die Art gilt in Österreich als stark gefährdet, primär aufgrund der Zerstückelung und Veränderung ihrer Lebensräume. Intensive Landwirtschaft, Bodenverdichtung, Verlust offener Flächen und Gewässerqualitätsprobleme tragen dazu bei, dass ihre Vorkommen rückläufig sind.

Lebensweise und Verhalten

Die Knoblauchkröte ist überwiegend nachtaktiv und verbringt den Großteil des Tages in bis zu 60 Zentimeter tiefen Erdhöhlen, die sie selbst aus lockeren Böden ausgräbt. Diese Fähigkeit prägt nicht nur ihre Lebensweise, sondern auch ihre Überwinterungsstrategie. Während andere Amphibienarten oft unter Laub, im Schlamm am Gewässerboden oder oberflächennah vergraben überwintern, nutzt die Knoblauchkröte die Tiefenlage ihrer Höhlen, um durch die Wintermonate zu kommen. Temperaturen in dieser Bodentiefe schwanken deutlich weniger als an der Oberfläche und bleiben meist über dem Gefrierpunkt, was längere Winterstarrephasen ermöglicht. Im Frühjahr, typischerweise ab Ende März/April, verlassen die Kröten ihre Winterquartiere und begeben sich zu vegetationsreichen Laichgewässern, wo die Fortpflanzung stattfindet. Dort legt das Weibchen lange Laichschnüre ab, die um Wasserpflanzen gewickelt werden und mehrere tausend Eier enthalten können

Gartengestaltung

Auch private Gärten können als wichtige Lebensräume für die Knoblauchkröte dienen, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind.
Dazu zählen:

  • Lockere, grabfähige Bereiche mit sandigem oder lehmigem Boden, in die sich die Tiere eingraben können.
  • Fischfreie Teiche oder vegetationsreiche Wasserflächen mit mindestens 30 cm Tiefe, die als Laichplätze genutzt werden können.
  • Unversiegelte Flächen und Totholz, die als Tagesversteck oder Pufferzonen um Gewässer dienen.
  • Chemische Belastungen meiden!: Die Tiere ernähren sich von Asseln, Spinnen, Insekten, Würmern und Schnecken. Verzichten sie auf Pestizide im Garten für ein ausreichendes Nahrungsangebot

Sie haben eine Knoblauchkröte in ihrem Garten beobachtet?

Dann melden Sie diese (und auch alle anderen Amphibien und Reptilien) gerne bei uns und unterstützen sie das Monitoring von Amphibien und Reptilien in Österreich.

 

Einfach ein Foto machen und auf der Web-App artenzählen.at hochladen.

 

In Österreich gibt es über 30 Amphibien- und Reptilienarten, die unsere Natur schöner und lebendiger machen. Sie stabilisieren unsere Ökosysteme und schützen uns vor lästigen Schädlingen. Jeder Frosch, jede Schildkröte und jeder Molch zählt für unseren Planeten. Und sie alle zählen darauf, dass wir ihre Lebensräume vor Verbauung und dem Klimawandel schützen. Damit das gelingt, müssen wir sie näher kennenlernen. Doch diese geheimen Held:innen unseres Ökosystems, verstecken sich oft in privaten Gärten, in die Forscher:innen nicht hineinkommen. Deshalb brauchen wir deine Hilfe. Zähle Amphibien und Reptilien in deinem Garten und melde deine Sichtung auf artenzählen.at.

Das Projekt BIOM-Garten und Artenzählen.at werden in Kooperation von der Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000, der Österreichischen Gesellschaft für Herpetologie (ÖGH), dem Naturschutzbund, dem Department für Botanik und Biodiversitätsforschung der Universität Wien, dem Department für Geodäsie und Geoinformation der TU Wien sowie der Universität für Weiterbildung Krems und dem Biodiversitäts-Atlas Österreich umgesetzt.

Warum ist das Überwachen von Arten wichtig?

Beim Monitoring werden Arten systematisch überwacht und erfasst. Das ist wichtig, um gezielte Schutzmaßnahmen zu planen und die Ökosysteme (in diesem Fall Gärten) und Populationstrends besser zu verstehen.

Besonders Amphibien sind in Österreich stark bedroht und brauchen diesen Schutz. Jeweils mehr als die Hälfte der hier heimischen 21 Amphibienarten und der 15 Reptilienarten sind gefährdet.

Warum fokussieren wir auf Gärten?

In Österreich gibt es über zwei Millionen Privatgärten. Diese bedecken eine Fläche von ca. 1.850 km² – vergleichbar mit dem Nationalpark Hohe Tauern. Da Gärten meist für wissenschaftliche Monitorings nicht zugänglich sind wird ihr Naturschutz-fachlicher Wert unterschätzt. Diese oft ignorierte Fläche hat großes Potenzial, eine Oase der Biodiversität zu bieten, explizit in Zeiten, wo Landwirtschaft und Urbanisierung immer mehr Lebensräume fragmentieren und zerstören.

Thomas Travers, BSc,  BIOM-Garten


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