Die Kreuzotter
Die Kreuzotter (Vipera berus) ist eine der zwei heute in Österreich lebenden Giftschlangen. Schon ab März, doch besonders im April beginnt sie aktiv zu werden und kommt nach der Winterstarre wieder zum Vorschein. Sie ist die Schlange mit dem größten terrestrischen Verbreitungsgebiet der Welt und kommt von England bis in den Osten Russlands in kühlen und feuchten Gebieten vor. Sie ist auch die einzige Schlange weltweit, die über dem nördlichen Polarkreis lebt.
Kreuzottern sind in Siedlungsgebieten und in unmittelbarer Nähe zum Menschen insgesamt selten. In Gärten, die naturnah gestaltet sind und sich in der Nähe geeigneter Lebensräume befinden, können sie jedoch gelegentlich vorkommen. Solche Gärten mit passenden Strukturelementen können ihnen beispielsweise als Winterquartier oder als schützendes „Trittsteinbiotop“ dienen. Zudem kann die Kreuzotter durch ihre Jagd auf Mäuse und junge Ratten auch einen nützlichen Beitrag im Garten leisten.
Diese Schlangen sind in Österreich heimisch:
Nattern, runde Pupillen & ungiftig!
- Ringelnatter (Natrix natrix)
- Barrenringelnatter (Natrix helvetica)
- Äskulapnatter (Zamenis longissimus)
- Schlingnatter (Coronella austriaca)
- Würfelnatter (Natrix tessellata)
Ottern (Vipern), senkrechte, schlitzartige Pupillen & giftig!
- Kreuzotter (Vipera berus)
- Europäische Hornotter (Vipera ammodytes)
- Wiesenotter (Vipera ursinii), ausgestorben
Woran erkennt man eine Kreuzotter?
Die Kreuzotter-Weibchen können Längen von etwa 80cm erreichen, bei den kleineren Männchen sind es etwa 60cm. Farblich findet man ein breites Spektrum bei dieser Art. Die Grundfärbung des Körpers kann verschiedene Brauntöne haben – von dunkelbraun bis hell-beige, aber graue, rötliche und vollkommen schwarze Tiere kommen ebenfalls vor. Besonders bei helleren Tieren gut erkennbar, ist das dunkle „Zickzack“ – förmige Band auf dem Rücken charakteristisch. Die giftigen Ottern (auch Vipern genannt) haben im Gegensatz zu den ungiftigen Nattern außerdem senkrecht stehende Pupillen anstatt runde.
Verhalten und Lebensweise
Die Kreuzotter ist überwiegend tagaktiv und nutzt vor allem die wärmeren Stunden am Vormittag und späten Nachmittag, um aktiv zu sein. Als wechselwarmes Tier muss sie ihren Körper regelmäßig in der Sonne aufheizen, bevor sie auf Jagd geht oder ihren Lebensraum erkundet. Geeignete Sonnenplätze an Waldrändern, Böschungen oder in Heiden sind daher für ihre Aktivität unverzichtbar. Wird es im Hochsommer zu heiß, verlagert sie ihre Aktivität teilweise in die Morgen- und Abenddämmerung. In der kalten Jahreszeit zieht sich die Kreuzotter in frostfreie Verstecke zurück und hält dort eine mehrmonatige Winterstarre. Im Gegensatz zu vielen Reptilien legt die Kreuzotter keine Eier – sie gebärt fertig ausgebildete Jungtiere. Das hat unter kühlen Klimabedingungen den Vorteil, dass sich die Embryonen im warmen Mutterleib schneller und sicherer entwickeln, als im Ei in einem kalten Nest.
Kreuzottern leben meist einzelgängerisch und sind gegenüber Menschen sehr scheu. Nähert sich eine Person, spürt die Schlange Erschütterungen des Bodens frühzeitig und versucht normalerweise zu fliehen. Ein Biss erfolgt meist nur dann, wenn sie bedrängt, angefasst oder in die Enge getrieben wird. Bisse können für Kinder, Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen durchaus gefährlich werden und sollten ärztlich untersucht werden. Allerdings nutzt die Schlange ihr Gift sparsam – daher wird nicht bei jedem Biss Gift abgegeben. Auf ihrem Speiseplan stehen vor allem kleine Säugetiere wie Mäuse, aber auch Eidechsen, Frösche und junge Vögel. Als Lauerjäger wartet die Kreuzotter gut getarnt, schlägt blitzschnell zu und lähmt ihre Beute mit einem gezielten Giftbiss. Zu ihren natürlichen Feinden zählen Greifvögel und Wildschweine.
Verbreitung in Österreich
In Österreich fehlt die Kreuzotter nur in Wien und im Burgenland, sie kommt also in sieben von neun Bundesländern vor. Ihr Verbreitungsschwerpunkt liegt im Alpenraum, im nördlichen Alpenvorland sowie im nördlichen Granithochland der Böhmischen Masse, etwa im Mühl- und Waldviertel. In den Alpen steigt sie bis in hochgelegene Bereiche von rund 2.500m Seehöhe auf und nutzt dort struktur-reiche Berglandschaften mit Latschenfeldern und Felshalden. Charakteristisch sind dabei Lebensräume mit Wechsel aus Sonnenplätzen, Versteckmöglichkeiten und feuchten Bereichen (z.B. Moore oder Quellrinnen).
Nördlich des Alpenhauptkammes besiedelt die Kreuzotter vor allem Moor- und Feuchtgebiete sowie Wälder über etwa 400m Seehöhe. In Oberösterreich tritt sie etwa im Salzkammergut, in Teilen des Mühlviertels und im Bereich der Pyhrn-Eisenwurzen auf, in Salzburg reicht ihr Vorkommen vom Flachgau bis in zentrale Hochlagen. Im Südosten Österreichs bestehen hingegen deutliche Verbreitungslücken, da das pannonisch-trockene Tiefland für die Art ungeeignet ist. Insgesamt sind die Vorkommen oft kleinräumig und inselartig, was die Kreuzotter in Österreich trotz ihrer weiten Gesamtverbreitung als regional gefährdete Art erscheinen lässt.
Sie haben eine Kreuzottern in ihrem Garten beobachtet?
Wenn Sie eine Kreuzotter, bzw. andere Reptilien und Amphibien in Ihrem Garten finden, machen Sie ein Foto und melden Sie Ihre Beobachtung auf artenzählen.at. Unsere ExpertInnen werden anhand Ihres Fotos schauen, ob Sie richtig liegen. Das Vorkommen von Arten in Hausgärten wird dadurch besser erforscht, sowie das Potenzial von Gärten als Lebensraum.
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In Österreich gibt es über 30 Amphibien- und Reptilienarten, die unsere Natur schöner und lebendiger machen. Sie stabilisieren unsere Ökosysteme und schützen uns vor lästigen Schädlingen. Jeder Frosch, jede Schildkröte und jeder Molch zählt für unseren Planeten. Und sie alle zählen darauf, dass wir ihre Lebensräume vor Verbauung und dem Klimawandel schützen. Damit das gelingt, müssen wir sie näher kennenlernen. Doch diese geheimen Held:innen unseres Ökosystems, verstecken sich oft in privaten Gärten, in die Forscher:innen nicht hineinkommen. Deshalb brauchen wir deine Hilfe. Zähle Amphibien und Reptilien in deinem Garten und melde deine Sichtung auf artenzählen.at.
Das Projekt BIOM-Garten und Artenzählen.at werden in Kooperation von der Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000, der Österreichischen Gesellschaft für Herpetologie (ÖGH), dem Naturschutzbund, dem Department für Botanik und Biodiversitätsforschung der Universität Wien, dem Department für Geodäsie und Geoinformation der TU Wien sowie der Universität für Weiterbildung Krems und dem Biodiversitäts-Atlas Österreich umgesetzt.
Warum und wie sollten wir die Tiere schützen?
Wie bereits erwähnt geht von Kreuzottern ohne Provokation keine wirkliche Gefahr für den Menschen aus. Trotzdem hielt sich in der menschlichen Kultur eine meist unbegründete Angst vor Schlangen, die historisch für eine starke Dezimierung der Kreuzotter – auch in Österreich – führte. Immer wieder gab es sogar Fangprämien für getötete Exemplare und „Kreuzotter-Vertilgungsvereine“, wodurch Jahr für Jahr tausende Tiere erlegt wurden. Hinzu forderten intensive Landwirtschaft und Verstädterung einen großen Teil ihrer Lebensräume ein.
Diese faszinierende Schlange ist ein fester Teil der heimischen Biodiversität und gilt als Indikator für intakte, Ökosysteme wie Moore, Heiden und naturnahe Wälder. Schützen können wir die Tiere vor allem, indem wir ihre Lebensräume erhalten und aufwerten, etwa Moore nicht weiter entwässern, Waldränder und Steinriegel stehen lassen und auf Giftköder gegen Nagetiere verzichten (diese können wiederum zu Sekundärvergiftungen bei Raubtieren, aber auch Katzen und Hunden führen). Ebenso wichtig ist ein respektvoller Umgang: Kreuzottern nicht aufsuchen oder aufscheuchen, Hunde in bekannten Vorkommensgebieten an der Leine führen, und Sichtungen melden, statt die Tiere zu töten.
Thomas Travers, BSc, BIOM-Garten