Königskerzen
ie Königskerze (Verbascum), auch als Wollkraut oder Fackelblume bekannt, ist eine imposante Wild- und Heilpflanze aus der Familie der Braunwurzgewächse. Sie fällt im Garten und in der Natur besonders durch ihre stattliche Wuchshöhe von bis zu zwei und mehr Metern und ihre leuchtend gelben Blütenkerzen auf.
Der Lebenszyklus der meisten Arten ist zweijährig. Im ersten Jahr bildet die Pflanze eine bodennahe, weiche Blattrosette. Erst im zweiten Jahr wächst der hohe Blütenstängel daraus empor. Die Blätter sind dick, groß und auffällig wollig-filzig behaart. Diese Behaarung dient der Pflanze als natürlicher Schutz vor Verdunstung und starker Sonneneinstrahlung. Von Mai bis September öffnen sich die gelben Blüten schrittweise von unten nach oben. Jede Einzelblüte blüht oft nur für einen einzigen Tag.
In Österreich stehen wild wachsende Königskerzen grundsätzlich unter Artenschutz. Das Sammeln, Ausgraben oder Beschädigen der Pflanzen in der Natur ist verboten. Besonders seltene Arten oder Populationen (z.B. die Pracht-Königskerze) genießen regional noch strengere Schutzauflagen (wie etwa in Wien).
Königskerzen können Sie bequem als Samen, Jungpflanze oder Topfstaude bei diversen Garten- oder sogar Baumärkten kaufen bzw. über das Internet bestellen. Bezugsquellen in Österreich für die Großblütige Königskerze (Verbascum densiflorum): Diese heimische Wildblumenpflanze ist als BioPflanze und Samen online bei Wilde Blumen erhältlich. Die Violette Königskerze (Verbascum phoeniceum), eine auffällige mehrjährige Art, erhalten Sie im Topf bei Heckenpflanzen Heijnen oder bei Lubera Österreich. Wenn Sie Wildblumenwiesen für heimische Insekten anlegen möchten, finden Sie Samen-Mischungen mit Königskerzen-Arten bei Manufactum.
Standort und Pflege
im Garten Königskerzen sind extrem anspruchslos. Sie bevorzugen trockene, karge, sandige oder schottrige Böden. Was allerdings wichtig ist, ist Licht. Denn die Pflanze benötigt einen vollsonnigen Platz, um ihre volle Pracht zu entfalten.
Die Blüten sind ein wahrer Magnet für Wildbienen, Hummeln und andere nützliche Insekten. Da sich die Pflanze durch Selbstaussaat leicht im Garten vermehrt, wandert sie oft von Jahr zu Jahr an neue Plätze.
Ein wenig Geschichte
Die Königskerze blickt auf eine lange Geschichte als Lichtbringer und Heilpflanze zurück. Ihr Name stammt aus dem Mittelalter, als die hohen, markanten Stängel in Pech oder Wachs getaucht wurden, um als Fackeln zu dienen. Die faszinierende Historie der „Wetter- und Donnerkerze“ beginnt schon in der Antike. Die alten Griechen und Römer nutzten die Pflanze für rituelle Zwecke und medizinische Anwendungen. In der nordischen und germanischen Mythologie war sie dem Lichtgott Baldur und der Göttin Freya geweiht. Im Mittelalter schätzten Gelehrte wie Hildegard von Bingen die Wollblumen (die gelben Blüten) für ihre schleimlösende Wirkung bei Atemwegserkrankungen. Sie wurden auch traditionell bei Hautleiden eingesetzt.
Im Volksglauben galt sie als „Donnerkerze“, die den Blitz anziehen sollte. Bauern nutzten sie zudem als Wetterorakel. Die Höhe des Blütenstands und die Lage der ersten Blüten sollten Strenge und Verlauf des kommenden Winters vorhersagen. Wanderer steckten sich oft ein weiches Blatt in den Schuh, um die Füße warmzuhalten, und es galt auch als passables, weil schön weiches, Klopapier.
In der Fischerei wurden die saponinhaltigen Samen früher zum leichten Betäuben von Fischen genutzt.
Verwendung als Heilpflanze
In der traditionellen Naturheilkunde ist die Königskerze, insbesondere die Großblütige Königskerze (Verbascum densiflorum), fest verankert. Etwa bei Husten und Erkältung. Die Blüten enthalten wertvolle Schleimstoffe und Saponine. Als Tee schützt sie gereizte Atemwege, lindert Reizhusten und erleichtert das Abhusten bei Bronchitis.
Bei Haut und Muskeln werden äußerlich abgekochte Umschläge oder Öle bei leichten Hautentzündungen, Wunden oder Muskelverspannungen genutzt.
Ziergarten von Friedrich Hauk