Kletterpflanzen, ab in die Höhe!
Sie klettern, winden sich und wachsen stetig in die Höhe. Die Rede ist von Kletterpflanzen, die in einer Saison oft einige Meter wachsen und so ein wichtiges Gestaltungselement auf dem Balkon und im Garten sind. Doch nicht alle haben dieselben Ansprüche, daher gilt es, beim Pflanzen einiges zu beachten. Wie bei jedem Pflanzenkauf sollte sich der Gärtner genau überlegen, wo die Pflanze stehen darf, welchen Zweck sie erfüllen soll, ob sie mehrjährig ist, oder wieviel Schnittarbeit erforderlich ist.
Für jeden ist etwas dabei
Kletterpflanzen sind eine große Pflanzengruppe, die unterschiedliche Pflanzenfamilien mit über 2.500 Pflanzenarten umfassen. Sie haben aber eines gemeinsam, sie können sich nicht selbst tragen, wie etwa ein Baum oder Strauch. Sie benötigen etwas, an dem sie „sich festhalten“ können und daran emporwachsen. Sie bilden keinen Stamm aus, schlingen oder ranken sich aber an allem empor, was sich anbietet, an Wänden, Bäumen, Rankgerüsten, oder auch Zäunen. Sie werden daher gezielt gesetzt, um einen Sichtschutz zu bilden, oder Wände zu verschönern. Ramblerrosen, die sechs Meter in die Höhe wachsen und ganze Bäume beanspruchen, gehören ebenso zu den Kletterpflanzen, wie viele blütenreichen Sommerblüher. Dazu gehören etwa Prunkwinde, Susanne oder Clemantis, aber auch Gemüsepflanzen und Kräuter sind gute Kletterer, wie Stangenbohne, Käseblatt oder Inkagurke.
Wände mit Pflanzen begrünen
Kletterpflanzen sind sehr beliebt, um eher unliebsame Ecken oder Wände zu verstecken. Da macht es Sinn, Pflanzen emporwachsen zu lassen, die die Fläche begrünen und verschönern. Sie sollen einerseits schnell wachsen und andererseits die Fassade bei einem Haus nicht beschädigen. Beliebt sind Wände aus Efeu oder Wildem Wein, denn beide sind mehrjährig, sehr robust und können pro Jahr einige Meter wachsen. Der Wilde Wein ist jedoch fassadenschonend und bezaubert vor allem durch eine schöne Laubverfärbung im Herbst. Jedoch fallen das Laub und auch die Beeren beim Wilden Wein nach der Farbenexplosion ab, und der Aufwand, das Laub zu entfernen, ist nicht zu unterschätzen. Der Efeu dagegen ist immergrün, es fallen die Blätter nicht ab, aber er kann Fassaden beschädigen. Denn die Haftwurzeln suchen sich feine Risse oder kleine Löcher an der Wand und suchen selbst in winzigen Zwischenräumen Platz. So beschädigen sie vor allem Hauswände und Feuchtigkeit kann eindringen. Der Efeu gilt zwar als robust, pflegeleicht und benötigt keine Kletterstütze, da er sich seinen Weg selbst sucht, aber langfristig kann er großen Schaden verursachen. Attraktive Alternativen sind etwa Kletterhortensien und Geißblatt. Sie bilden einen dichten, aber kontrollierbaren Sichtschutz und schonen Fassade sowie Gartenboden.
Einjährige Kletterpflanzen
Etliche Blühpflanzen, die in Gartencentern für Garten und Terrasse angeboten werden, sind in unserem Klima oder von Natur aus einjährig. Sie werden also im Frühjahr als Pflanze gekauft und der Gärtner darf sich den ganzen Sommer daran erfreuen. Wer sie in einen großen Topf setzt, kann die Schönheiten gezielt platzieren, um sich vor Nachbars Blicken auf Terrasse und Balkon zu schützen. Einjährige Klettergewächse wachsen schnell und bilden mit dichtem Blattwerk und Blüten rasch eine üppige Struktur, die ihren Zweck erfüllt. Prunkwinde, Schwarzäugige Susanne oder Dipladenia sind ideal und überzeugen mit schönen, duftenden Blüten, die auch Bienen und Schmetterlinge anlocken. Alle drei sind aber in unseren Breiten nicht winterhart, man kann sie aber eventuell im Wintergarten überwintern. Bei der Prunkwinde lohnt sich dieser Aufwand aber nicht. Sie blüht im zweiten Jahr viel weniger und ist auch leicht aus Samen jedes Jahr zu ziehen.
Mehrjährige Vertreter
Etliche mehrjährige Kletterpflanzen wachsen und gedeihen in unseren Gärten. Sie haben eines gemeinsam, sie bleiben meist Jahrzehnte am selben Platz und erfreuen uns mit ihren Blättern und Blüten. Sie müssen aber aufgrund des starken Wachstums regelmäßig geschnitten werden. So blüht der Blauregen im Frühjahr weiß, rosa oder blau, die Triebe wachsen jährlich aber so stark, dass sie ein regelmäßiges Zurückschneiden notwendig machen. Der Rückschnitt fördert auch die Blühfreudigkeit. Clemantis, Winterjasmin oder auch Pfeiffenwinde sind bekannte und beliebte Kletterer. Während die ersten beiden durch die Blütenpracht überzeugen, setzt die Pfeiffenwinde auf üppiges Blattwerk. Die Blütenkolben der Pflanze sind eher unscheinbar, die Kapselfrüchte erscheinen im Herbst.
Aufgrund der vielen unterschiedlichen Pflanzenfamilien fällt die Blühzeit sehr unterschiedlich aus, ist aber meist im Frühjahr oder im Sommer. Auch etliche Herbstblüher wie die Amerikanische Klettertrompete oder das Geißblatt überzeugen mit großer Blühfreudigkeit, und Passionsblume, Kletterrosen oder Schlingknöterich mit einer langen Blühdauer vom Sommer bis in den Herbst.
Einige mehrjährige Vertreter sterben im Herbst ab und treiben im Frühjahr wieder verlässlich aus, Hopfen oder Weinrebe etwa. Wer also einen Gitterzaun damit bewachsen lassen möchte, sollte dies bedenken, da die abgestorbenen Ranken oft mühsam daraus entfernt werden müssen.
Rechts oder links
Was auf den ersten Blick oft sehr ähnlich aussieht, kann doch sehr unterschiedlich sein. Die einen bevorzugen rechts, die anderen links und die Rede ist von der bevorzugten Drehrichtung. Denn Pflanzen schlingen sich nicht einfach irgendwie um eine Stütze. In Zeitlupe könnte man dieses Phänomen gut beobachten, denn Schlinger und Winder wachsen senkrecht nach oben, der Spross macht dabei langsame, kreisförmige Bewegungen und sucht so eine Möglichkeit, sich festzuhalten. Findet der Spross etwas geeignetes, wie eine andere Pflanze oder einen Stab, so wird dieser spiralenartig umschlungen. Die meisten Pflanzen drehen sich dabei im Uhrzeigersinn und sind also Linksdreher, wie Gartenbohne oder Echte Zaunwinde, aber eben nicht alle. Rechtsdreher sind dagegen Hopfen oder Schmerwurz.
Kletterer zum Essen
Wer an Schlingpflanzen denkt, dem fallen dabei zuerst Blühpflanzen oder Gewächse, wie Efeu ein, die durch das üppige Blattwerk wirken. Aber etliche Gemüsepflanzen oder Kräuter sind ebenfalls Kletterpflanzen und überzeugen nicht nur durch die Optik. Man kann Teile davon auch essen. Hopfen etwa wächst und schlingt sich je nach Sorte bis zu 10 Meter oder mehr, und ist eine bedeutende Nutzpflanze, vor allem für Biertrinker. Aber er hält immer mehr Einzug in Gärten als Zierpflanze. Mit kleinwüchsigeren Sorten, die auch durch ein panaschiertes Blattwerk überzeugen können, findet man ihn gerne an Zäunen.
Das Käseblatt (Paederia lanuginosa), ein würziges Kraut, schlingt sich einige Meter pro Jahr in die Höhe. Es überzeugt durch grünviolette Blätter und kleine, rosa Blüten. Die Blätter können das ganze Jahr über geerntet werden und ein Rückschnitt fördert wie so oft die Verzweigung und das Wachstum. Die mehrjährige Pflanze, die in Asien heimisch ist, macht ihrem Namen alle Ehre. An der Pflanze sind die Blätter völlig geruchlos, erst nach der Ernte beim Schneiden entfaltet sich der leicht käsige Geruch und Geschmack.
Stangenbohne und eher unbekanntere Gemüsepflanzen wie Erdbirne oder Inkagurke überzeugen durch Optik und Wuchsfreudigkeit. Gerade die Inkagurke ist noch ein Geheimtipp im Garten. Sowohl Blätter als auch die kleinen Hörnchengurken, die etwas nach Gurke, Paprika und Erbse schmecken, sorgen für einen reichen Ertrag bis in den späten Herbst hinein. Wenn es also um Kletterpflanzen geht, ist für jeden Geschmack etwas dabei, auch für diejenigen, die Ungewöhnliches für den eigenen Garten suchen.
Ziergarten von Mag.a Andrea Jungwirth