Der Ammendornfinger
Einzig relevante Giftspinne Mitteleuropas!
Spinnen sind Jägerinnen. Zum Erlegen von Beute machen sich fast alle eine besondere Waffe zunutze. Es ist ihr Gift, das mittels Fangzähnen verabreicht wird. Wenn es nicht direkt zum Tod des Beutetiers führt, lähmt es dieses zumindest so weit, dass weder Gegenwehr noch Fluchtversuche zu erwarten sind.
Es gibt auf der Welt sehr wohl giftige Spinnen, die auch für uns Menschen zur echten Gefahr werden können. Glücklicherweise lebt davon jedoch keine einzige in mitteleuropäischen Gebieten und damit auch nicht in Österreich. Dass uns hierzulande nicht einmal giftige Spinnen gefährlich werden können, liegt nicht nur an der Stärke des Giftes, sondern vielmehr daran, dass ihre Giftklauen keine menschliche Haut durchdringen können. Die einzige Ausnahme stellt hierbei der Ammendornfinger dar. Aufzuklären, weshalb selbst er jedoch keine echte Bedrohung für uns Menschen darstellt, ist besonders wichtig, möchte man keine unnötige Spinnenangst schüren und ein Vorgehen gegen die Art vermeiden.
So sieht er aus, der Ammendornfinger
Spinnen zählen seit jeher zu den gefürchtetsten Krabbeltierchen. Grund dafür mag wohl auch ihre Erscheinung sein. Oftmals gilt: je größer die Spinne, desto größer auch der Ekel. Der Ammendornfinger zählt mit einer Körperlänge von rund 1,5 Zentimetern zu den größten in Mitteleuropa beheimateten Spinnen. Wie bei Spinnen üblich ist auch bei dieser Art das Männchen ein gutes Stück kleiner als das Weibchen. Besonders markant stechen die kräftig anmutenden Kieferklauen hervor. Sie schimmern in einem grünlich-gelben bis gelbbraunen Farbton. In Richtung der Giftklauen verläuft die Farbe immer mehr in ein sattes Schwarz.
Auch auf dem restlichen Körper ist der Ammendornfinger auffällig gefärbt. Während der Vorderkörper in einem rot-orange leuchtet, ist der Hinterleib mehr gelblich bis hin zu olivgrün gefärbt. Der ganze Körper der Spinne strahlt somit in deutlichen Signalfarben. Diese sollen vor allem ein klares Statement für potenzielle Fressfeinde sein. Weibchen und Männchen sind nicht nur anhand ihrer Größe voneinander zu unterscheiden. Besonders bis zur Eiablage ist auf dem Hinterleib der Weibchen ein kräftiger heller Fleck zu erkennen. Dieser sogenannte Spitzenfleck wird nach erfolgter Eiablage jedoch immer blasser. Männliche Ammendornfinger ziert ein breiter, grüngrauer Mittelstreifen.
Die acht Beine stellen hinsichtlich Auffälligkeit keine Ausnahme dar. Sie sind einfärbig, orange und sichtlich behaart. Lediglich an ihren äußersten Spitzen ist ein dunkelgrauer bis schwärzlicher Akzent, der fast als Schuhe interpretiert werden könnte, zu erkennen. Die Beinlänge variiert zwischen drei und vier Zentimetern. Im Vergleich zum restlichen Körper erscheinen sie daher recht lang.
Lebensraum & Lebensweise
Es handelt sich beim Ammendornfinger um eine äußerst wärmeliebende Spinnenart. Aus diesem Grund liegt ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet vor allem im mediterranen Bereich südlich der Alpen. Mittlerweile wurde sie jedoch auch in nördlicheren Gebieten nachgewiesen.
Ihr Lebensraum liegt bevorzugt in trockenen, offenen Biotoptypen mit hohem Gras. Hierzu zählen vorwiegend Lichtungen, Ackerflächen, Wegränder, Bahndämme und viele ähnliche Lebensräume. Zu Sichtungen kommt es grundsätzlich eher selten und meist nur, wenn man genau sucht. Dies liegt hauptsächlich daran, dass Ammendornfinger nachtaktiv sind und sich tagsüber in geschlossenen Wohngespinsten aufhalten. Hinzu kommt, dass die Spinnenart ein äußerst scheues Verhalten an den Tag legt. Schon die geringste Störung sorgt dafür, dass Ammendornfinger in ihren Gespinsten Schutz suchen. Anders ist dies jedoch bei Weibchen mit Gelege. In dieser Zeit sind Ammendornfingerweibchen auf Konfrontation aus und verteidigen ihre Nachkommen mit großer Entschlossenheit. Diese Entschlossenheit wird vor allem dann nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass Ammendornfinger nur ein einziges Jahr leben.
Männchen sind von Juni bis September und Weibchen von Juli bis November zu beobachten. In dieser kurzen Zeitspanne finden die beiden sonst als Einzelgänger lebenden Geschlechter zueinander und beziehen sogar gemeinsam ein Gespinst. Nach der geglückten Verpaarung ist der vermeintliche Lebenssinn des Männchens bereits erfüllt, sodass es kurze Zeit darauf stirbt. Für das Weibchen beginnt hingegen erst die echte Hauptaufgabe. In einer Höhe von rund einem Meter wird ein etwa hühnereigroßes geschlossenes Gespinst gebaut. Darin werden zwischen 80und 165 Eier abgelegt. Bis die Jungspinnen schlüpfen, vergehen zwischen drei und fünf Wochen. Während dieser gesamten Zeit verlässt die Mutterspinne kein einziges Mal ihr Gelege. Einzige Ausnahme stellt das eifrige Verteidigen vor Fressfeinden dar. Erst im Herbst, wenn die Nachkommen ausreichend entwickelt sind und das Nest verlassen, ist die Aufgabe des Weibchens abgeschlossen. Völlig entkräftet ist auch das Weibchen damit am Ende ihres Lebens angekommen und stirbt.
Außerhalb ihres Nests machen sich die Jungspinnen direkt auf den Weg in Richtung Boden, wo sie ein kleines Gespinst, das ihnen als Winterquartier dient, errichten. Gut geschützt warten sie darin, bis sie im nächsten Jahr die Wärme hervorlockt, um einen weiteren Lebenszyklus zu beginnen.
Der Ammendornfinger
Lateinisch: Cheiracanthium punctorium
Familie: Dornfingerspinnen (Cheiracanthiidae)
Größe: 1 – 1,5cm
Färbung: leuchtende Farben, orange-rot, grünlich, gelblich
Verbreitung: Europa (vorwiegend Mittelmeerraum) bis Zentralasien
Nahrung: Insekten
Lebensraum: warme, trockene und offene Biotope mit hohem Gras
Der Ammendornfinger in Österreich
Die voranschreitende Ausbreitung des Ammendornfingers steht auch in Österreich mit den stetig wärmer werdenden Temperaturen in direktem Zusammenhang. Wie jede andere Spinne erfüllt auch der Ammendornfinger eine wichtige Rolle in unserer heimischen Natur und hilft durch sein Fressverhalten wesentlich dabei, andere Insektenarten zu regulieren.
Statistisch gesehen ist die Wahrscheinlichkeit für einen tatsächlichen Biss durch einen Ammendornfinger äußerst gering. Besonders in den Brutzeiten der Spinnenart empfiehlt es sich dennoch hohes Gras zu meiden, um nicht aus Versehen mit einem Gelege und damit einer äußerst verteidigungsfreudigen Mutterspinne in Kontakt zu kommen. Kommt es dennoch zu einem Biss, besteht immer noch nicht direkt Grund zur Sorge. Ein Biss kann zwar durchaus schmerzhaft sein, ähnelt jedoch dem Stich einer Wespe. Die danach auftretenden Symptome vergehen meist nach wenigen Stunden oder maximal Tagen. Eine grundlegende Angst vor Ammendornfingern ist daher unbegründet. Bei Sorge oder anhaltenden Symptomen sollte selbstverständlich dennoch medizinischer Rat herangezogen werden.
Tierportrait von Jakob Kuhn