Ziertabak
Vorsicht und Augen auf: Giftpflanze! (Nicotiana sylvestris)
Der Ziertabak zählt zwar nicht unbedingt zu den häufigsten Gartenpflanzen, doch ist er eine dekorative, wenn auch giftige Sommerblume. Er ist ein weiterer Vertreter der Pflanzenfamilie der Solanaceae, den Nachtschattengewächsen, zu denen zahlreiche Gift-, Heil- und Kulturpflanzen gehören.
Die berühmtesten Vertreter auf Seiten der Giftpflanzen sind wohl der Stechapfel, Datura stramonium, das Bilsenkraut, Hyoscyamus niger, die Tollkirsche, Atropa bella-donna oder die Alraune, Mandragora officinarum. Diese vier Pflanzen gelten als die klassischen Hexenkräuter, die aber auch in der Medizin ihre feste Verankerung hatten. Heute wird aus dieser Familie nur noch die Tollkirsche als Heilmittel in größerem Umfang eingesetzt. Auf Seiten der Kulturpflanzen finden wir die Kartoffel, Solanum tuberosum, die Tomate, Lycopersicon, die Aubergine oder die Paprika. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass auch die oberirdischen Früchte der Kartoffel giftig sind und nur die völlig ausgereifte, nicht gekeimte Knolle gegart gegessen werden kann! Aber auch sein bekannterer Verwandter, der Echte Tabak Nicotiana tabacum, ist eine alte Kulturpflanze.
Beschreibung
Die ursprüngliche Heimat des Ziertabak ist Mittel- bis Südamerika, doch er gedeiht bei uns als Sommerblume an sonnigen, warmen Plätzen, deren Boden frisch, locker und nährstoffreich ist. Er ist einjährig und wächst aufrecht und horstartig. Seine frischgrünen Blätter sind breit und eiförmig. Die Blüten sind glockig-trichterförmig und stehen in lockeren Trauben. Die Blütenfarben reichen von Weiß über Blassrosa bis hin zu einem kräftigen Pink. Die Blütezeit ist zwischen Juni und Oktober. Die Pflanzen sind in allen Teilen stark giftig.
Als Hauptwirkstoffe der Pflanze finden wir das zu den Alkaloiden zählende Nikotin. Sein Gehalt in der Pflanze schwankt zwischen 0,05 und 4%. Nikotin zählt zu den stärksten pflanzlichen Giften, die wir überhaupt kennen, auch wenn man noch im 16. Jahrhundert den Tabak unter der Bezeichnung Folium Nicotianae in der Volksmedizin gegen Kopfschmerzen, als Klistier oder als Salbenzusatz bei Hautparasiten verwendetet. Ferner wurde er auch als Abortivum, häufig mit tödlichem Ausgang, eingesetzt. Auch zählte bis vor wenigen Jahrzehnten die Nikotinbrühe als hochwirksames Pflanzenschutzmittel gegen tierische Schädlinge aller Art. Heute „entdecken“ viele Hobbygärtner dieses hochgiftige Atem-, Kontaktund Fraßgift erneut. Von der Ausbringung solcher „Hausmittel“ muss jedoch dringend gewarnt werden, da die Vergiftungsgefahr für den Anwender sehr hoch und nicht kontrollierbar ist.
Symptome bei einer Vergiftung
Als erste Symptome bei einer Vergiftung durch Tabak kommt es zu Brennen im Mund, Übelkeit und heftigem Erbrechen. Weiters kommt es zu Herzrhythmusstörungen, Herzrasen, blasser Haut, Krämpfen, Schock, kaltem Schweiß, Sehstörungen, verengten Pupillen und zuletzt zu Atemlähmung.
Die Giftinformationsstellen registrieren alljährlich zahlreiche Anfragen bezüglich Nikotinvergiftungen. Eine Untersuchung ergab, dass bei Kindern Nikotinvergiftungen durch das Essen von Zigaretten die zweithäufigsten Vergiftungen stehen. Doch auch beim Verzehren frischer Tabakblätter können schwere Vergiftungen auftreten. Bei einem Erwachsenen Menschen gilt die Aufnahme von 40 bis 60mg Nikotin als tödliche Dosis. Bei den ersten Anzeichen oder bei Verdacht auf eine Vergiftung durch Tabak sollte umgehend ärztliche Hilfe aufgesucht werden.
Ziergarten von Mag. Astrid Plenk