Wendehals

Der Wendehals

Ein Specht, den kaum jemand kennt!

Auch wenn es sein Aussehen und sein Verhalten nicht gleich vermuten lassen, so gehört der Wendehals dennoch zur Familie der Spechte. Es wird weder geklopft noch gezimmert und auch nicht senkrechte Flächen emporgeklettert. Dennoch kann er seine Verwandtschaft aufgrund bestimmter Verhaltensmuster nicht gänzlich verheimlichen.

Während der Vogel selbst kaum Bekanntheit genießt, so ist sein Name im deutschen Sprachgebrauch dennoch immer wieder zu hören. Bezeichnet man eine Person als Wendehals, werden dieser meist negative Eigenschaften zugeschrieben. Es bedeutet, dass eine Meinung ohne weitere Bedenken geändert wird, um einen eigenen Vorteil aus einer Situation herausschlagen zu können. Bezogen auf den Vogel selbst beschreibt der Name schlicht seine Fähigkeit den Kopf äußerst mobil verdrehen und neigen zu können. Doch nicht nur diese Fähigkeiten machen den Wendehals zu einem besonderen Vertreter heimischer Spechte.

So sieht er aus, der Wendehals

Der Wendehals ist auch trotz seines markanten, lauten Rufs nur schwer zu entdecken. Grund dafür ist vor allem sein tarnmusterartig gefärbtes Gefieder. Seine hellbraune, gefleckte Unterseite verläuft in Richtung Kehle in ein sich gut abhebendes Ockergelb. Auf seiner Oberseite ist das Gefieder gräulich und auf den Flügeln großteils braun gefärbt. Besonders beim Fliegen ist ein markanter dunkelbrauner Streifen auf dem Rücken erkennbar. Einen besonderen Akzent stellen zudem die über den ganzen Körper verteilten Flecken und Bänderungen dar. Es sind vor allem diese, die das perfekte Tarnmuster seines Gefieders ausmachen. So ist es ihm möglich, besonders auf Bäumen beinahe mit seiner Umgebung zu verschmelzen. Denkt man an andere heimische Spechte wird schnell klar, dass wohl kaum ein anderer derart unauffällig gefärbt ist. Grünspecht oder Buntspecht, um nur zwei Beispiele zu nennen, fallen aufgrund deutlicher Farbakzente wesentlich mehr in ihren Lebensräumen auf und sind zudem beide auch ein gutes Stück größer. Männchen und Weibchen tragen das gleiche Federkleid und sind daher anhand äußerlicher Merkmale nicht zu unterscheiden.

Lebensraum & Lebensweise

Bei uns in Österreich ist der Wendehals in allen Bundesländern vertreten. Dabei werden im Alpenraum jedoch eher größere Täler und kaum kühlere Hochlagen bewohnt. Anders als andere heimische Spechte ist der Wendehals ein Langstreckenzieher. Bei uns ist er daher nur zwischen April und September anzutreffen. Überwintert wird im weit entfernten West- und Zentralafrika. Nach und nach werden jedoch auch Überwinterungen in Südspanien oder etwa Griechenland verzeichnet. Als Lebensraum werden halboffene, strukturreiche Landschaften bevorzugt. Während er hinsichtlich der Brut auf Höhlen und damit in den meisten Fällen Altbäume angewiesen ist, benötigt er für die Nahrungssuche freie Flächen mit niedriger Vegetation. Grund dafür ist, dass, wie beispielsweise der Grünspecht, auch beim Wendehals überwiegend Ameisen auf dem Speiseplan stehen. Auch wenn durchaus andere Insekten oder Spinnen verspeist werden, so wird am liebsten mit der klebrigen, langen Zunge nach Ameisen und deren Larven gestöbert.

Wendehälse gelten grundsätzlich als wenig singfreudige Vögel. Während in der Vogelwelt normalerweise eher die Männchen das lautere Geschlecht sind, um Reviere abzustecken und das andere Geschlecht zu beeindrucken, ist es bei Wendehälsen eher andersrum. Es sind nämlich vor allem die Wendehalsweibchen, die gelegentlich ihren Gesang verkünden. Ihr Ruf klingt für Ungeübte zum Verwechseln ähnlich mit dem des Baumfalken.

Hat sich ein Brutpaar nach geglückter Balz zusammengetan, muss erstmals eine geeignete Bruthöhle gefunden werden, bevor mit der Eiablage begonnen werden kann. Gelten Spechte zwar eigentlich als die Zimmerer der Vogelwelt, sind Wendehälse nicht in der Lage ihre eigenen Höhlen in Baumstämme zu klopfen. Sie sind also auf bereits bestehende, verlassene Höhlen angewiesen. Glücklicherweise sind sie bei der Suche jedoch nicht allzu wählerisch. Aus diesem Grund werden auch gerne geeignete Nistkästen angenommen. Ist eine Bruthöhle bezogen, wird meist Mitte Mai mit der Ablage von rund sieben bis zehn Eiern begonnen. Die Brutzeit beträgt rund zwölf bis vierzehn Tage. Nach rund drei weiteren Wochen verlassen die ersten Jungtiere die sichere Kinderstube. Oftmals kommt es vor, dass bereits ausgeflogene Jungtiere auch außerhalb des Nests noch für bis zu zwei Wochen weiter betreut werden.

Wie so oft bei Tieren ist der Name auch beim Wendehals Programm. Insbesondere bei nahender Gefahr und damit einhergehender Aufregung plustert sich der Vogel auf und dreht und wendet seinen Kopf höchst mobil in alle erdenklichen Richtungen. Während einem beim Zuschauen schon schwindelig werden kann, stellen für den Wendehals Verdrehungen über 180 Grad kein Problem dar. Er macht seinem Namen so alle Ehre.

Der Wendehals

Lateinisch: Jynx torquilla

Familie: Spechte (Picidae)

Größe: ca. 16 – 17cm

Gewicht: 30 – 45g

Verbreitung: Europa, Afrika, Asien

Nahrung: vorwiegend Ameisen, Insekten, gelegentlich Beeren

Lebensraum: strukturreiche, halboffene Landschaften

Zugverhalten: Langstreckenzieher

Brutzeit: April – August

Status: gefährdet

Der Wendehals in Österreich

Wendehälse sind wie unzählige andere heimische Vogelarten vor allem durch die Lebensraumzerstörung gefährdet. Das Verschwinden strukturreicher Landschaften stellt ein großes Problem dar. Genauso bedenklich ist der Rückgang des Nahrungsangebots. Besonders Überdüngung und der Einsatz diverser Pestizide machen es immer schwerer, ausreichend tierische Nahrung in Form von Ameisen und anderen Insekten zu finden. Aus den genannten Gründen ist leider über die letzten Jahrzehnte ein deutlicher Rückgang auch bei uns zu Lande zu verzeichnen. Um den Wendehals, aber generell diverse Vogelarten zu unterstützen, wird versucht, eine Vielzahl an Maßnahmen umzusetzen. Dazu zählen etwa die Erhaltung strukturreicher Landschaften, die Extensivierung von Forst- und Landwirtschaft, aber auch Schritte, die zu einer Ansiedlung von Futterinsekten führen. Wer versuchen möchte, den Wendehals im eigenen Garten zu unterstützen, sollte an eine insekten- und besonders ameisenfreundliche Gestaltung denken. Weiters ist auch das Anbieten geeigneter Bruthöhlen eine gute Möglichkeit, um dem Wendehals Lebensraum zu bieten. Wer auf dem Grundstück keinen Altbaumbestand hat, der vielleicht bereits mit natürlichen Nisthöhlen ausgestattet ist, kann sich im Fachhandel entsprechende Nistkästen besorgen.

 

Vogelportrait von Jakob Kuhn


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