Der Kiebitz
Vogel des Jahres 2026!
Wie mittlerweile gängig bekannt sein sollte, dient die Wahl zum Vogel des Jahres nicht allein dazu, um auf die Schönheit oder Besonderheit bestimmter Arten aufmerksam zu machen. Selbstverständlich wäre dies wünschenswert. Der Idee für das jährliche Hervorheben einer Art beruht jedoch leider auf weitaus weniger erfreulichen Gründen.
Lebensraumzerstörung, schlechtes Nahrungsangebot oder intensive Landwirtschaft sind nur eine Hand voll Beispiele, die direkt oder indirekt Einfluss auf die Bestandszahl und die Verbreitung einer Art haben können. Je spezieller die Ansprüche sind, die ein Tier an seinen Lebensraum stellt, desto verheeren-der können die Auswirkungen durch vermeintlich geringe Einflüsse sein. Negative Einflüsse können einerseits zum Abwandern und im schlimmsten Fall sogar zum direkten Tod führen. Der Schutz von Lebensräumen ist daher unerlässlich, um Arten wie dem Kiebitz weiterhin eine Heimat zu bieten.
So sieht er aus, der Kiebitz
Kiebitze erreichen eine Körpergröße von rund 28 bis 31 Zentimetern. Sie sind daher aus Sicht der Körpergröße in etwa mit Tauben zu vergleichen. Ihre Flügelspannweite beträgt bis zu 72 Zentimetern. Ihre Flügel können im Flug als Erkennungsmerkmal herangezogen werden. Auffällig ist nämlich deren breite, flächige Erscheinung sowie deren deutliche Rundung an den Enden. Der Körper des Kiebitzes ist schwarz-weiß gefärbt. In erster Linie mag dies vielleicht ein wenig eintönig klingen. Bei genauerer Betrachtung beziehungsweise im richtigen Licht ist jedoch ein metallisch grünvioletter Schimmer zu erkennen. Einen ähnlichen Schimmer kennt man vom Halsbereich der Felsentaube.
Weibchen und Männchen ähneln sich sehr. Eine Unterscheidung anhand optischer Merkmale ist daher nur schwer möglich. Ein äußerliches Merkmal, das jedoch durchaus Auskunft über das Geschlecht geben kann, ist die so genannte Federholle. Damit sind die senkrecht nach oben gerichteten Federn am Kopf des Kiebitzes gemeint. Bei Männchen sind diese nämlich um ein Stück länger als bei Weibchen. In Kombination mit einem einheitlich dunkel gefärbten Brustband kann mit ziemlicher Sicherheit von einem Männchen ausgegangen werden. Beide Geschlechter sind mit langen Beinen ausgestattet. Diese dienen perfekt zur Fortbewegung im bevorzugten, feuchten Lebensraum.
Lebensraum & Lebensweise
Hierzulande und generell in Mitteleuropa findet man Kiebitze in offenen, feuchten Habitaten. Beispiele dafür sind Wiesen, Moore oder etwa Flussniederungen. Feuchte Böden sind vor allem hinsichtlich der Nahrungsaufnahme relevant. Die Hauptnahrung besteht nämlich aus Insekten, Würmern und kleinen Wirbellosen Lebewesen. Diese sucht und findet er beim Stolzieren über Freiflächen mit niedrigem Bewuchs. Als Werkzeug dafür dient ihm sein spitzer länglicher Schnabel. Ist das tierische Nahrungsangebot im Winter und daher witterungsbedingt eher begrenzt vorhanden wird vereinzelt auch auf pflanzliche Nahrung zurückgegriffen. Nicht nur bei der Nahrungssuche sind derartige Flächen unverzichtbar, sondern auch bei der Brut.
Kiebitze gelten als Bodenbrüter, was wenig überraschend bedeutet, dass sie ihre Gelege auf dem Boden anlegen. Logisch ist dabei auch, dass ihre Nester aus diesem Grund anfälliger gegenüber Räubern sind. Um diesem Problem ein wenig entgegenzuwirken, wird zumeist in größeren Kolonien gebrütet. In der Gemeinschaft fällt es deutlich leichter sich vor Fressfeinden zu verteidigen. Bevor mit der tatsächlichen Brut begonnen wird, muss das Weibchen erst vom Männchen überzeugt werden. Dafür wird vom Männchen eine Mulde in den Boden gescharrt, welche er anschließend mit Gräsern auskleidet. Im Zuge des so genannten „Scheinnistens“ stellen männliche Kiebitze ihre Nestbaufähigkeiten unter Beweis. Im Zeitraum der Balz können Kiebitze außerdem bei spektakulären Flugmanövern beobachtet werden. Dabei kreisen sie über dem Brutgebiet und stürzen sich waghalsig anmutend in Richtung Boden. Hat sich ein Kiebitz Weibchen vom Eifer eines Männchens überzeugen lassen wird mit der gemeinsamen Brut begonnen.
Die Brutzeit liegt zwischen März und Juni und ist auch vom Wetter abhängig. Die Hauptbrutzeit liegt daher meist zwischen April und Mai. Vom Weibchen werden in der Regel exakt vier hellbraune Eier mit dunkelbraunen Flecken gelegt. Aufgrund dieser Färbung ist das Gelege auf dem darunter befindlichen Untergrund kaum noch zu erkennen. Nach rund vier Wochen schlüpfen die äußerst niedlich aussehenden Jungvögel. Ihr Gefieder ist besonders auf der Oberseite braun-schwarz gefärbt und macht sie somit für Beutegreifer von oben beinahe unsichtbar. Nach rund fünf bis sechs weiteren Wochen verlassen die Jungvögel das Nest. Grundsätzlich kommt es bei einem Kiebitz-Paar nur zu einer Brut pro Jahr. Auch wenn es zu Ersatzbruten kommen kann, ist es daher umso relevanter, dass möglichst viele Jungtiere überleben und somit der Arterhalt weiterhin gesichert bleibt.
Der Kiebitz
Lateinisch: Vanellus vanellus
Familie: Regenpfeifer (Charadriidae)
Größe: ca. 28 – 30cm (ohne Schwanz)
Gewicht: 128 – 330g
Verbreitung: Eurasien, Westeuropa bis Ostsibirien, Skandinavien bis Nordafrika
Nahrung: Insekten, Wirbellose, Würmer, gelegentlich Pflanzenteile
Lebensraum: Äcker, (Feucht-) Wiesen, Moore, Flussniederungen
Zugverhalten: Kurzstreckenzieher
Brutzeit: März – Juni
Status: drohende Gefährdung
Der Kiebitz in Österreich
Der Kiebitz kommt bereits im Februar aus seinen Winterquartieren zurück nach Österreich. Er zählt damit zu den ersten Arten, die bei uns wieder ihre Lebensräume beziehen. Er gilt in Österreich als durchaus verbreitet und ist laut Stand 2018 in 8 Bundesländern vertreten. Dennoch sind seine Bestands-zahlen leider weiterhin abnehmend. Grund dafür ist vor allem die Fortschreitende Zerstörung seines Lebensraums. Um den Kiebitz zu fördern ist es unerlässlich gezielten Lebensraumschutz zu betreiben. Dabei geht es nicht nur um die Erhaltung, sondern auch die Neuanlage von Brachen und Feuchtwiesen in der Ackerlandschaft. Die über die Brutzeit temporäre Sperre bestimmter Gebiete hat sich vielerorts schon durchaus bewährt und hilft dem Vogel dabei ungestört brüten zu können. Auch in der Landwirtschaft können unterstützende Maßnahmen getroffen werden. So hilft es beispielsweise die Ansaat von Mais auf Anfang Mai zu verzögern oder bekannte Neststandorte sichtbar abzustecken.
Vogelportrait von Jakob Kuhn