Obstversuchsgarten

Der Sommerschnitt der Obstgehölze

Anfang September, mit Beginn des meteorologischen Herbstes, ist die Zeit gekommen, sich Gedanken über mögliche Neupflanzungen zu machen. Neben der passenden Obstart und der richtigen Sortenwahl ist der vorhandene Platz entscheidend, der für die Pflanzung vorgesehen ist.

In erster Linie sind die Unterlagen, auf denen die Sorten veredelt sind, sowie die Baumformen und die Stammhöhen, die wieder mit dem Platzangebot in enger Verbindung stehen.

Die Stammhöhe ist durch den Abstand vom Boden bis zu der untersten Astetage bestimmt:

  • bei einem Hochstamm liegt sie zwischen 1,7 bis 2,0m
  • der Halbstamm zwischen 1,2 bis 1,4m
  • der Niederstamm bei 1,0m
  • der Hochbusch bei 0,8m
  • der Busch zwischen 0,6 bis 0,8m
  • der Spindelbusch bei 0,6m
  • die Schlanke Spindel und der Schnurbaum zwischen 0,5 bis 0,7m
  • und bei Heckenformen zwischen 0,6 bis 0,7m.

Entscheidend sind auch die Abstände zwischen den Bäumen. Bei Hochstämmen sollte er mindestens 4m betragen. Bei Schlanken Spindeln oder Schnurbäumen genügt ein Abstand von 0,5m.

Beim Kauf eines Halb- oder Hochstammes kann man davon ausgehen, dass stark wachsende Unterlagen verwendet wurden. Derartige Obstbäume wachsen daher kräftig und bilden große Kronen. Von Nachteil ist hier die später einsetzende Fruchtbarkeit

Baumformen für den Kleingarten

Deshalb geht der Trend zu kleineren Baumformen, die in der Regel auf schwächer wachsenden Unterlagen veredelt sind. Sie benötigen einen geringeren Standraum und kommen auch früher in den Ertrag.
Die Wuchskraft der Unterlagen wird immer auf die Wuchskraft des arteneigenen Sämlings, der mit 100% angenommen wird, bezogen!
Aufgrund der Parzellengrößen im Kleingartenbereich sind kleinere Baumformen, wie Spindelbusch, Spindeln und Hecken zu empfehlen.
Im Kern- und Steinobstbereich unterscheidet man außerdem zwischen Rund- und Längskronen. Rundkronen sind im Grundriss kreisförmig. Dazu zählen die pyramidalen Kronen, die eine dominierende Mittelachse besitzen.

Die Spindelformen wie der Schnurbaum, die Superspindel, die schlanke und breite Spindel sowie die Hohlkronen, bei denen die Mittelachse fehlt.

Die Längskronen sind im Grundriss elliptisch. Die bekanntesten sind die 2- und 3-Asthecken, die 2-Asthecke, die auch als Y-Hecke bezeichnet wird, unregelmäßige, formlose Hecken, Wandspaliere und ein- und zweiarmige Kordons, die senkrecht, waagrecht oder schräg erzogen werden.

Die Palmetten bestehen aus einem Stamm mit vier bis sechs senkrechten Spalierästen, auch unter der Bezeichnung „Verrierpalmetten“ (Armleuchterpalmetten) bekannt, und u.a. die Bouché-Thoma Hecke.

Das Beerenobst wird als Strauch, Hecke oder Spindel erzogen.

Welche Obstart soll gepflanzt werden?

Beim Kauf eines Obstbaumes sollte darauf geachtet werden, ob die Sorten selbststeril oder selbstfruchtbar sind. Bei Apfel und Birne sind alle Sorten selbststeril. Deshalb muss in unmittelbarer Umgebung ein passender Befruchtungspartner stehen.

Beim Steinobst ist der überwiegende Teil der Sorten selbstfruchtbar. Eine Fremdbefruchtung bringt aber immer einen besseren Fruchtansatz und einen höheren Ertrag.

Der Erntezeitpunkt ist ein weiterer Überlegungspunkt. Es gibt früh-, mittel- oder spätreifende Sorten. Und, habe ich die Möglichkeit, das Obst zu lagern?

Notwendige Pflegemaßnahmen

1. Der Schnitt ist abhängig von der Wuchskraft der Unterlagen und Sorten.
Entscheidend ist der Ertragsbeginn. Frühes Erreichen des physiologischen Gleichgewichtes bedeutet, dass vegetatives (Triebwachstum) und generatives (Blütenbildung) Wachstum im Gleichgewicht sein sollen.

2. Pflanzenschutz ist zu minimieren.
Grundsätzlich sollten widerstandsfähige, tolerante oder sogar resistente Sorten bevorzugt werden. Pflanzenschutzmaßnahmen sind: Mechanische Maßnahmen: Wegschneiden der befallenen Triebe, biotechnische Maßnahmen, wie das Aufhängen von Farbtafeln und Pheromonfallen.
Chemische Maßnahmen: Einsatz von biologischen und synthetischen Präparaten.

 

Obstgarten von Dipl. Ing. Peter Modl


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