Eibe
Vorsicht und Augen auf: Giftpflanze
Die Eibe, Taxus baccata, zählt zur Familie der Taxaceae, den Eibengewächsen. Ihr Ausbreitungsgebiet reicht von West-, Mittel- und Südeuropa über Nordafrika und Kleinasien bis in den Kaukasus.
Beschreibung
Als natürlichen Standort bevorzugt sie schattige Wälder, doch wird die Eibe heute gern als Heckenpflanzung um Gärten oder in Parks und auf Friedhöfen angepflanzt. Die Eibe ist ein immergrüner Nadelbaum, der eine Höhe von 2 bis 16m erreichen kann. Seine Äste sind abstehend. Die Nadeln sind oberseits dunkelgrün und glänzend, unterseits hingegen matt und hellgrün. Ihre Länge kann bis zu 3 cm betragen. Die Blüten sind unscheinbar und an den Unterseiten der Zweige angeordnet. Die schwarzbraunen Samen der Eibe sind von einem leuchtend rot gefärbten, süßlich schmeckenden Samenmantel umgeben. Ihre Reifezeit ist zwischen August und Oktober. Die Eibe ist in allen Teilen – ausgenommen der rote Samenmantel (Arillus) – in allen Teilen stark giftig.
Auch wenn sich die Eibe heute als Ziergehölz großer Beliebtheit erfreut, so genoss sie einst ein wesentlich größeres Ansehen, denn bei allen Völkern, die sie kannten, galt sie als heiliger Baum, der stark mit dem Tod, aber auch mit dem ewigen Leben verknüpft war. Sagen und Legenden berichten, dass der Weg in die Unterwelt mit Eiben gesäumt sei. Daher war sie auch in der Antike der Todesgöttin geweiht. Der Name Eibe, früher iw, ist uralt und war sowohl die Bezeichnung für die Pflanze als auch für einen Bogen aus Eibenholz. Das zähe, harte und trotzdem biegsame Eibenholz wurde nämlich schon von alters her für den Bau von Bögen, Armbrüsten und anderen Waffen verwendet. Aber auch die Giftwirkung der Eibe war schon zu dieser Zeit bekannt. So berichtet Nikander, ca. 200 v. Chr., „Pflücke nicht die giftige Eibe, die der Tanne ähnlich ist, denn sie bringt die einen tränenreichen Tod. Das Gift derselben schnürt dir den Schlund und den engen Weg durch die Kehle zu.“ Doch wenn die Gelehrten der Antike davor warnten, sich im Schatten einer Eibe auszuruhen, da man sonst durch die giftigen Ausdünstungen erkranken oder gar sterben könnte, so irrten sie. Wahr aber ist, dass das Eibengift für Morde und Selbstmorde verwendet wurde. So berichtet Cäsar in seinem Werk über den Gallischen Krieg, dass sich der Eburonenfürst Catuvolcus nicht unterwarf, sondern den Freitod durch Eibengift wählte. Ebenso entschieden sich die Cantabrer für das Eibengift, als die Römer unter Augustus die spanischen Stämme besiegt hatten. Aber auch als Pfeilgift und zum Vergiften von Dolchen und Lanzenspitzen wurde häufig Eibensaft eingesetzt. In der Heilkunde wurde die Eibe kaum verwendet.
Symptome bei einer Vergiftung
Die Eibe ist, wie bereits erwähnt, in allen Teilen, ausgenommen dem Samenmantel, stark giftig, doch die höchsten Konzentrationen des Hauptwirkstoffes, des „Taxins“, findet man in den Nadeln. Das Taxin ist keine einheitliche Substanz, sondern setzt sich aus verschiedenen Basen (Taxin A, Taxin B, Taxin C und sieben weiteren) zusammen. Der Taxingehalt in den Pflanzen ist einer jahreszeitlichen Schwankung unterworfen und erreicht im Jänner ihren Höhepunkt, während er im Mai am geringsten ist. Die ersten Vergiftungssymptome treten etwa nach ½ bis 1 ½ Stunden nach Aufnahme des Giftes auf. Sie sind Erbrechen, heftige Leibschmerzen, Darmkoliken, Durchfall, Schwindel und eine starke Beschleunigung von Atmung und Puls. Später sind Atmung und Puls stark verlangsamt und immer oberflächlicher. Der Tod tritt letztendlich durch Kreislauf- und Atemlähmung ein. Die tödliche Dosis für einen Erwachsenen sind 50 bis 100 g Eibennadeln. Auch für viele Tiere sind Eibennadeln hochgiftig. So führen etwa 500 g bei einem Pferd zum Tode, bei Wiederkäuern sind es etwa 10 g/kg Körpergewicht und bei Schweinen 3 g/kg.
Die Blüten der Eiben sind zwar unscheinbar, doch zählen ihre Pollen zu den Mitverursachern des Frühjahrsheuschnupfens.
von Mag. Astrid Plenk