Herbstzeitlose
Vorsicht und Augen auf: Giftpflanze
Die Herbstzeitlose, Colchicum autumnale, stammt aus der Familie der Herbstzeitlosengewächse, den Colchicaceae. Beheimatet ist sie in Süd-, West- und Mitteleuropa und überzieht dort im Herbst feuchte Wiesen mit einem wahren Blütenteppich.
Beschreibung
Die Herbstzeitlose ist eine ausdauernde Knollenpflanze. Ihre lila-rosa Blüten erinnern an Krokusse, doch erscheinen sie von September bis Oktober. Die Blätter sind lanzettlich und erreichen eine Größe von etwa 40cm, doch findet man sie erst im Frühjahr. Die Früchte sind länglich-eiförmige Kapseln, die mit zahlreichen kleinen, schwarzbraunen Samen gefüllt sind. Ihre Reifezeit ist zwischen Mai und Juni. Die Herbstzeitlose ist in allen Teilen sehr stark giftig, doch vor allem die Samen und die Wurzeln enthalten besonders hohe Konzentrationen des Hauptwirkstoffes Colchicin. Während der Reife der Samen nimmt der Giftgehalt zu und auch beim Trocknen bleibt die Giftwirkung erhalten.
Die Herbstzeitlose hat im Volksmund viele Namen, die einerseits auf die fast fleischfarbenen Blüten zurückzuführen sind, wie „Nackerte Jungfer“, „Nacktarsch“ oder gar „Nackte Hur“, aber auch ihre giftige Wirkung zeigen ihre Namen deutlich auf, wie beispielsweise „Hennengift“ oder „Leichenblume“. Verwendung fand die Herbstzeitlose als Mittel gegen Läuse, doch schon im 15. Jahrhundert wurde der Anwender gewarnt: “ …die wiesenzeytlose sei recht vorsichtig zu benutzen, wiewohl diese wurtzel und blumen etwas nütz seind, allerlei leuß damit zu vertreiben, so ist doch dagegen mehr schadens zu besorgen – wa man diese wurtzel in den leib brauchen wolt.“ Der lateinische Name Colchicum erinnert an Colchis – die Heimat der klassischen Giftmischerin der griechischen Sage – Medea. Bekannt ist die tödliche Wirkung der Herbstzeitlosen schon seit alters her und sie wurde auch immer wieder zu Morden oder Selbstmorden genützt. Doch auch Unachtsamkeit und kindliche Neugier sind mitunter tödliche Fallen. Denn bereits 5g der kleinen Samen reichen aus, einen Erwachsenen zu töten, für ein Kind reichen bereits 1,2 bis 1,5g. Aber auch Vergiftungen durch Blüten oder Blätter können zu schweren Schädigungen führen. So ist der Fall eines Mannes bekannt, der Bärlauchblätter mit denen der Herbstzeitlose verwechselte und sie als Gemüse verspeiste. Aber auch Kinder pflücken gerne die späten Blumen auf den Wiesen oder spielen im Frühjahr mit den Samenkapseln, in denen die gefährlichen Samen klappern.
Symptome bei einer Vergiftung
Die Vergiftungserscheinungen treten meist erst zwei bis sechs Stunden nach der Aufnahme auf. Sie beginnen mit Übelkeit und Benommenheit und steigern sich zum Schock, Harndrang, Magenschmerzen, Krämpfen, Lähmungen, Herzrhythmusstörungen, blutigem Durchfall, einer Blauverfärbung der Lippen, einem stark erhöhten Puls und letztlich Atemlähmung. Im Vergiftungsfall ist unbedingt der nächste Arzt oder das nächstgelegene Krankenhaus so rasch wie möglich aufzusuchen.
Bei Weidetieren treten solche Vergiftungen durch die Blätter und Samenkapseln der Herbstzeitlose immer wieder auf. Pferde und Schweine reagieren empfindlicher als Rinder, doch die Aufnahme von etwa 1.500 bis 2.500g frischer Blätter und Samenkapseln oder 2.000 bis 2.500g getrockneter Pflanzen kann innerhalb weniger Tage zum Verenden des Tieres führen.
Im Allgemeinen finden wir die Herbstzeitlose nur auf feuchten Wiesen, doch es gibt auch einige Zierformen dieses Herbstblühers. In Gärten, die Kindern ungehindert zugänglich sind, sollte auf diese Arten unbedingt verzichtet werden.
von Mag. Astrid Plenk