Die Feldlerche
Vogel der Agrarlandschaft!
Sie ist ein fixer Bestandteil der heimischen, durch Landwirtschaft geprägten Lebensräume. Es wäre ein großer Verlust, würden ihre Strophen gänzlich aus dieser Landschaft verschwinden. Wie für viele andere Vogelarten auch wirkt sich jedoch die stets intensiver werdende Bewirtschaftung von Ackerflächen negativ auf ihre Bestandszahlen aus.
Am Beispiel der Feldlerche lässt sich gut erkennen, welche gravierenden Folgen menschliche Einflüsse haben können, wenn sie nicht unmittelbar die Bedürfnisse der in der Landschaft lebenden Tiere berücksichtigen. Nicht nur bei der Feldlerche, sondern auch bei unzähligen anderen Arten ist über Jahre hinweg ein stetiges Abnehmen der Bestandszahlen zu erkennen. Auch wenn die Feldlerche aufgrund ihres Aussehens und Verhaltens ohnehin eher wenig zu sehen ist, so ist vor allem das „Verstummen von Hecken“ bereits jetzt deutlich spürbar. Über Jahre hinweg aufgenommene Tonaufnahmen lassen unschwer erkennen, wie immer mehr Arten verschwinden und das natürliche Vogelkonzert stetig leiser wir
So sieht sie aus, die Feldlerche
Vergleicht man Feldlerchen mit manch anderem heimischen Singvogel, könnte man meinen, dass ihr Gefieder eher unspektakulär wirkt. Dass es nicht mit leuchtenden Farben geschmückt ist, heißt jedoch nicht, dass ihr Gefieder nicht besonders ist. Auf der Unterseite ist es weißlich, grau bis hellbraun. Die gestrichelte Brust sowie die in diversen Brauntönen gestreifte Oberseite stellen dazu einen deutlichen Kontrast dar. Ihr Gefieder lässt sich zumindest hinsichtlich der Färbung mit dem eines Feldsperlings vergleichen. Die feine Strichelung erinnert ein wenig an die Brustfärbung von Singdrosseln. Die dezente Färbung dient vor allem der äußerst guten Anpassung an den Lebensraum. Eine auf dem Boden sitzende Feldlerche ist nur mit sehr genauem Blick zu entdecken. Ein letzter Vergleich lässt sich hinsichtlich ihrer Körpergröße ziehen. Mit bis zu neunzehn Zentimetern ist sie nämlich in etwa so groß wie ein Star.
Ein spezielles Merkmal ist auf ihrem Kopf zu finden. Bei Erregung können Feldlerchen nämlich ihre sogenannten Scheitelfedern aufstellen. Sie sind zudem mit einem relativ dicken und spitzen Schnabel ausgestattet. Er dient als ideales Werkzeug, um die abwechslungsreiche Nahrung zu verspeisen.
Lebensraum & Lebensweise
Bis auf die nördlichsten Gebiete Skandinaviens sowie Griechenland sind Feldlerchen in ganz Europa anzutreffen. Auch abseits unseres Heimatkontinents, nämlich in Nordafrika und Asien, gibt es Vorkommen. Grundsätzlich werden als Lebensraum weitläufige Gebiete mit niedriger und vor allem lockerer Vegetation bevorzugt. Besonders in Mitteleuropa werden hauptsächlich landwirtschaftlich genutzte Flächen bewohnt. Das Zugverhalten der Feldlerche ist stark vom Vorkommen abhängig. Bei uns beheimatete Vögel ziehen oftmals in den Mittelmeerraum, wo sie über den Winter deutlich mildere Temperaturen vorfinden. Ihr Zugverhalten ist auch der Grund dafür, dass die Brutgebiete oft sehr früh bezogen werden.
Bereits Mitte Februar können die ersten Exemplare bei uns gesichtet werden. Sie gelten damit wahrlich als Frühlingsboten. Mit den Vögeln selbst kommt auch ihr Gesang. Spannend hierbei ist, dass vor allem Feldlerchenmännchen ihre Strophen nicht wie andere Vögel sitzend und von hohen Warten aus verkünden, sondern im Flug. Dazu steigen sie 50 bis 200 Meter auf, bis sie vom Boden aus meist nicht mehr erkennbar sind. Ihre trillernden Lieder reichen dennoch bis hinunter. Dies ist wahrlich eine beachtliche Leistung, insbesondere wenn man bedenkt, dass oft minutenlang durchgesungen wird, ohne beim Aus- oder Einatmen abzusetzen. Während der Gesang auch zum Abstecken des Reviers dient, soll er natürlich auch Weibchen imponieren. Ist dies geglückt, wird ab
Mitte April mit dem Nestbau begonnen. Feldlerchen sind Bodenbrüter und legen ihre Eier in Mulden, die sie vorher mit Pflanzenmaterial auspolstern. Vom Weibchen werden zwischen drei und fünf hellbraune Eier mit dunklen Flecken gelegt. Durch diese Färbung sind sie wie die Elterntiere selbst perfekt getarnt. Nach nicht ganz zwei Brutwochen schlüpfen die Jungvögel. Besonders ist, dass sie bereits nach weiteren sieben bis elf Tagen das Nest verlassen, obwohl sie noch flugunfähig sind. Auch das eigenständige Suchen von Nahrung gelingt den Jungvögeln erst 19 Tage nach dem Schlüpfen. Die Versorgung außerhalb des Nests stellt also für die Elternvögel wahrlich eine Herausforderung dar. Auf dem Speiseplan steht sowohl pflanzliche als auch tierische Nahrung. Während im Winter vorwiegend Pflanzenteile und Samen verspeist werden, wird in den wärmeren Monaten vorwiegend Jagd auf proteinreiche Insekten gemacht. Auch Spinnen, kleine Schnecken und Regenwürmer sind beliebte Beutetiere. Nach nicht ganz einem Monat sind die jungen Feldlerchen auf sich allein gestellt. Meist kommt es zu einer zweiten Brut, welche zwischen Juli und August erfolgt. Mehrere Jahresbruten sind immer eine gute Möglichkeit, um eventuelle Ausfälle unter den Nachkommen auszugleichen. Besonders im Fall von bedrohten Arten wie der Feldlerche ist dieses Brutverhalten vorteilhaft, um die Bestandszahlen stabiler zu halten.
Die Feldlerche
Lateinisch: Alauda arvensis
Familie: Lerchen (Alaudidae)
Größe: ca. 18 – 19cm
Gewicht: 30 – 45g
Verbreitung: Europa, Nordafrika, Asien
Nahrung: Sämereien, Pflanzenteile, Insekten, Spinnen, Würmer
Lebensraum: weitläufige Flächen mit niedriger, lockerer Vegetation, Agrarlandschaften
Zugverhalten: Kurzstreckenzieher
Brutzeit: April – August
Status: gefährdet
Die Feldlerche in Österreich
Seit vielen Jahren ist der Rückgang diverser Vogelarten zu verzeichnen. Besonders betroffen beziehungsweise direkt betroffen sind oft Arten, deren Lebensraum im unmittelbaren Wirkungsbereich des Menschen liegt. Die Intensivierung der Landwirtschaft und der damit einhergehende starke Rückgang an Futterinsekten haben zu beachtlichen Einbrüchen der Bestandszahlen unzähliger Vogelarten geführt. Unmittelbar erkennbar ist dieser Rückgang vor allem an der stetig leiser werdenden Gesangskulisse in unseren Landschaften. Wo vor nicht allzu langer Zeit noch unzählige Arten um die Wette gesungen haben, sind heute nur noch ein paar wenige Stimmen zu hören. Um die Feldlerche zu unterstützen, müssen besonders in der Landwirtschaft Maßnahmen gesetzt werden. Oft müssen diese nicht einmal besonders aufwendig sein. Sogenannte Feldlerchenfenster stellen etwa zwanzig Quadratmeter große Lücken dar, in denen kein Saatgut ausgebracht wird. Diese sind nach dem Anwachsen im restlichen Feld sichtbar, können daher leicht umgangen werden und dienen gleichzeitig als wichtiger Ort zur Nahrungssuche. Zwei dieser Fenster auf einer Fläche von rund 10.000m² sind ausreichend und stellen keinen erwähnenswerten Ernteverlust dar.
Vogelportrait von Jakob Kuhn