Birnen Ernte

Birnen - Herkunft, Verbreitung und Kultivierung

Die Birnen, lateinisch Pyrus communis, gehören zu den Kernobstgehölzen und werden zu der großen Familie der Rosengewächse gezählt.

Die Herkunft

Der genetische Ursprung der Birnen liegt im Kaukasus und in Teilen von Kleinasien. Entstanden sind unsere Kulturbirnen aus einer Vielzahl von Wildbirnenarten, die wiederum ihren Ursprung im gesamten asiatischen Raum haben. Über mehrere Hybridisierungen entstanden dann unsere Kulturbirnen. Wildwachsende Pyrus communis – Bestände gibt es heute noch in Usbekistan, Tadschikistan und Afghanistan. An den Seen der Alpen fand man in den ehemaligen Pfahlbausiedlungen bereits Reste, die auf den Anbau einiger Wildarten schließen lassen.

Die Verbreitung

Die Griechen waren die ersten, die sich nachweislich mit dem Birnenanbau beschäftigten. Sie bezeichneten die Früchte als eine Gabe der Götter. Die Römer begannen dann erstmals die Birnensorten zu beschreiben und entwickelten schon eine Anbautechnik. Mit Ende des Römischen Reiches soll es in Europa schon ca. 55 Sorten gegeben haben, die namentlich bekannt waren.

Den Adeligen und den Klöstern war es aber vorbehalten über tausend Jahre hinweg die Birnenkultur zu pflegen und weiterzuentwickeln. Mostbirnen wurden schon damals, wegen ihrer Robustheit in höheren, kühleren Lagen kultiviert. Diese sollen direkt von der Schneebirne, Pyrus nivalis, abstammen.

Um 1750 setzte dann eine intensivere Selektionsarbeit ein, wobei der Schwerpunkt auf aromatische, saftige und fein schmelzende Birnen gelegt wurde. So brachte man Sorten hervor, die auch heute noch im Anbau stehen. Aufgrund einer enormen Sortenvielfalt wurden sie von den Pomologen in mehrere Gruppen eingeteilt.

So z.B. die Gruppe der Grünen Langbirnen, zu denen man die bekannte Pastorenbirne oder die Neue Poiteau zählt. Die bergamottenartigen Birnen (rundliche Formen) umfassen Olivier de Serres, Esperens Bergamotte und Edelcrassane. Zu den Flaschenbirnen gehören wegen ihrer Form die Bosc's Flaschenbirne, auch Alexanderbirne oder Kaiser Alexander genannt, Clairgeau, oder die Birne von Tongern. Geschmacklich muss auch noch die Gruppe der Butterbirnen erwähnt werden. Zu ihnen zählt man u.a. die Gellerts Butterbirne, Hardenspoint Butterbirne, Diels Butterbirne und die Hochfeine Butterbirne.

Schon im 18. Jahrhundert wurden die ersten, auch heute noch namentlich genannten Sorten bekannt. In erster Linie ist hier die Williams Christbirne zu nennen, die in England 1770gefunden wurde. Seit 1760ist die Pastorenbirne und seit 1780die Gute Luise bekannt.

Der Standort

Für ihre optimale Entwicklung benötigen sie eine mittlere Jahresdurchschnittstemperatur von 9°C. Birnen haben ein höheres Wärmebedürfnis als Äpfel. Die Böden sollten durchlässig, tiefgründig und humusreich sein. Da die Birnenblüten etwas frostempfindlicher sind, sollen Kaltluftstaulagen unbedingt gemieden werden. Auch feuchte, schwere und dementsprechend kalte Böden sind für Birnenbäume nicht geeignet. Um qualitativ hochwertige Früchte zu erhalten, ist warmes, sonniges Wetter, vor allem einige Wochen vor der Pflückreife vorteilhaft.

Knospen und Triebe

Wie bei allen Obstarten sind auch bei den Birnen die Blütenknospen größer und runder als die Holzknospen. Die Blüten sind weiß. Aus einer Blütenknospe gehen sechs bis sieben Blüten hervor.

Interessant ist, dass der Zuckergehalt im Nektar der Birnenblüten zwischen 2 bis 37% liegt, während er bei den Äpfeln die 50 Prozentmarke sogar überschreitet.

Neben den langen einjährigen Holztrieben, die nur Holzknospen tragen, gibt es auch einjährige, die nicht nur end- sondern auch seitenständig Blütenknospen tragen. Die besten Fruchtqualitäten bilden sich am zweijährigen Fruchtholz. Je älter aber das Fruchtholz ist, umso kleiner werden die Blütenknospen und die sich daraus bildenden Früchte.

Sämtliche Birnensorten sind selbststeril und benötigen daher einen Befruchtungspartner, der gleichzeitig blühen soll und ein guter Pollenspender ist. Sorten, die als schlechte Pollenspender bekannt sind, eignen sich nur in einem geringen Ausmaß als Befruchter.

Die Unterlagen

Der Sämling als starkwachsende Unterlage ist fast nur mehr für großkronige Birnenbäume im Streuobstanbau in Verwendung.

Mit der Quitte als schwachwüchsige Unterlage, von der es mehrere Selektionen gibt, können Obstbäume mit kleineren Kronen erzogen werden. Von Nachteil ist aber die erhöhte Kalkempfindlichkeit, die zur Chlorose (auch Gelbsucht genannt) führt. Auch Affinitätsprobleme treten in Kombination mit einigen Sorten auf. So gibt es bei Veredelungen von Williams Christ, Packhams Triumph oder Gräfin von Paris auf Quitte Unverträglichkeiten. Aber schon vor drei Jahrzehnten sind in der Fachliteratur einige Quittenunterlagen beschrieben worden, die auch mit den genannten Sorten verträglich sein sollen.

In letzter Zeit sind auch im Birnenanbau Unterlagen auf den Markt gekommen, die sich neben einem schwächeren Wuchs und resistent gegen den Feuerbrand (eine Bakterienkrankheit) sind. Zu nennen sind die Unterlagen OHF Delbard 333, Farold 69, 87und 282, die alle schwächer wachsen als die Sämlinge, wobei sich Farold 69verstärkt durchgesetzt hat.

Vor ca. 30 Jahren wurde die Birnenunterlage Pyrodwarf, die in Deutschland gezüchtet wurde, verstärkt für Veredelungen verwendet. Sie hat eine gute Verankerung im Boden, eine gute Kalkverträglichkeit, eine ausreichende Winterfrosthärte und eine geringe Anfälligkeit gegen den Feuerbrand. Die Unterlage Fox 11, stammt aus Italien. Sie wächst um ca. 25 % schwächer als die Sämlinge und ist ebenfalls kalkverträglich.

Auf welcher Unterlagen die Birnen veredelt wurden hängt oft von den Baumschulen ab.

Die Pflanzung und der Baumschnitt

Die Pflanzung kann im Spätherbst, wenn der Boden noch frostfrei ist oder im Frühjahr erfolgen. Nach der Pflanzung ist ein Rückschnitt erforderlich, da durch die Rodung Wurzelmasse verloren gegangen ist. Es sollten, egal welche erziehungsform gewählt wurde, konkurrierende, angebrochene und verletzte Triebe weggeschnitten werden. Wird eine Hohlkrone oder pyramidale Krone mit einem tragfähigen Gerüst aufgebaut, sind die Leittriebe in gleicher Höhe einzukürzen. Beim Rückschnitt ist auf die Wuchskraft der Unterlage und der Sorte, die darauf veredelt wurde, Rücksicht zu nehmen. Birnensorten, die schlechte Pollenspender sind, wachsen stärker. Die Pastorenbirne, und die Alexander Lucas sind hier die bekanntesten Sorten

In den ersten Standjahren sollten in Kombination mit einem Grünschnitt im Juni, die Kronen aufgebaut werden. Triebe, die den Aufbau der Kronenäste nicht stören, sind zu formieren, um so einen früheren Blütenansatz zu induzieren. Je früher es gelingt eine Blüten- und in weiterer Folge einen Fruchtansatz zu erzielen, desto mehr Freude bereiten die Birnenbäume den Kleingärtnern.

 

Obstgarten von Dipl. Ing. Peter Modl


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