Marillenblüte

Ursachen für das Schlag­ treffen der Marillenbäume

Das Schlagtreffen der Marillenbäume, auch Apoplexie genannt, ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Grundsätzlich gedeihen Marillen im Weinbauklima am besten. Hier stehen sie aber zum Weinbau in Konkurrenz. Als Beispiel sei hier die Wachau erwähnt. In ungeeigneten Lagen kann es schon im Winter zu Schäden kommen.

Um die Vitalität der Marillenbäume zu erhöhen, sollte man auf die Bodenbedingungen, die Sorten- und Unterlagenwahl beim Kauf eines Baumes Rücksicht nehmen. Auch die Baumpflege, besonders der Schnitt, aber auch Krankheiten beeinflussen die Lebensdauer der Marillenbäume.

Schadursachen

Im Winter können extrem tiefe Temperaturen oder Temperaturschwankungen die Blüten vereinzelt, aber auch Holzknospen geschädigt werden. Schon im Jänner kann es durch eine intensive Sonneneinstrahlung an der Südseite der Marillenbäume in den Stämmen zu einer deutlichen Erwärmung und so zu einem rascheren Anstieg der Assimilate kommen. Sinken die Temperaturen in der Nacht unter den Gefrierpunkt, frieren diese und es entstehen Frostrisse und vor allem Frostplatten, deren gesamtes Ausmaß aber erst zwei oder drei Jahre später bemerkt werden. Meistens haben sich dann unter den abgestorbenen Rindenpartien bereits Schädlinge eingenistet.
Wenn Marillenbäume nur zögerlich austreiben und die Blumenkronblätter deutlich kleiner sind als bei den vollentwickelten Blüten, kann das ein Hinweis sein, dass die Wasser- und Nährstoffversorgung gestört ist.

Während der Blüte besteht wiederum die Gefahr, dass bei Regenfällen die Pilzsporen der Triebspitzen- und Blütenmonilia die Blüten schädigen. Im vergangenen Jahr war der Befall derart stark, dass manche Kleingärtner ihren Marillenbaum rodeten, weil sie der Meinung waren, den Baum hätte der „Schlag getroffen“. Erst Wochen später trieben derart geschädigte Bäume wieder aus, aber deutlich schwächer.

Schon oft im April, spätestens aber im Mai, wenn die Tagestemperaturen plötzlich stark ansteigen, beginnen einzelne Äste oder der ganze Marillenbaum plötzlich zu welken und wirft seine Blätter ab. Das ist ein typisches Zeichen dafür, dass die Assimilationsleistung nicht mehr ausreicht. Hier spricht man dann in erster Linie vom Schlagtreffen.

Beim Baumschnitt ist gerade bei den Marillenbäumen auf eine exakte Schnittführung zu achten. Wunden, die dabei entstehen, sind mit Baumwachs oder einem künstlichen Rindenpräparat zu verstreichen. Wird darauf verzichtet, können tierische Schädlinge und pilzliche Schaderreger in die Holzkörper eindringen und diese zerstören.

Eine erst im Sommer vorgenommene Düngung, vor allem mit Stickstoff, führt dazu, dass die Triebspitzen bis in den Herbst hineinwachsen und es bei den ersten Minusgraden zu Erfrierungen kommt.

Die richtige Auswahl der Sorten- und Unterlagenkombination ist ein weiterer Punkt, um ein frühes Absterben der Bäume zu verhindern. Zu starkwüchsige Unterlagen schließen erfahrungsgemäß ihr Wachstum später ab, wodurch die noch nicht verholzten Triebe absterben.

Grundsätzlich sollte man im Kleingarten Marillenbäume, die auf kräftigen Unterlagen, wie z.B. auf Myrobalanen, veredelt sind, nicht pflanzen. Stärkerer Wuchs ist nur dort notwendig, wo sandig, schottrige Bodenbedingungen gegeben sind und keine Möglichkeit der Bewässerung besteht. Wichtig ist auch das Affinitätsverhalten (Verträglichkeit) der Unterlagen mit den Edelsorten. Wenn zusätzlich noch ungünstige Bodenverhältnisse dazu kommen, sterben die Marillenbäume oft schon nach drei bis vier Jahren ab. Speziell auch aus diesem Grund wird auf die Pflanzung neuer Marillenbäume oft verzichtet.

Besonders sensibel reagieren sie auch bei Nachpflanzungen. Hier sollte man unbedingt durch Austausch der Erde bessere Bodenbedingungen schaffen.

Schädlinge und Krankheiten

Neben Schädlingen und Schadpilzen gibt es aber auch noch andere Krankheiten, die das ganze Jahr über die Marillenbäume schwächen. In erster Linie ist hier die Phytoplasmose zu nennen, die die Leitungsbahnen der Marillenbäume verstopfen. Diese Krankheit wird als das chlorotische Blattrollen der Marille bezeichnet. Typische Symptome sind die tütenförmig eingedrehten Blätter. Nach einiger Zeit sterben derart geschädigte Bäume ab.

Auch die bekannte Scharkavirose, die als helle Ringe von der gelbgrünen Grundfarbe auf den Früchten und Blättern sichtbar sind, schwächt langfristig die Bäume.

Zu erwähnen ist noch der Bakterienbrand. Hier dringen die Bakterien ab Herbst bis in den Winter hinein über Rindenrisse und unbehandelte Wunden ein und schädigen dadurch ebenfalls über das ganze Jahr die Bäume.

Für das Schlagtreffen der Marillenbäume ist meistens nicht eine, sondern mehrere Ursachen verantwortlich, die auch in Zukunft Probleme bereiten werden. Wichtig wäre in erster Linie Marillenbäume nur dort zu pflanzen, wo die klimatischen Bedingungen dem Weinbauklima sehr ähnlich sind. Das Pflanzmaterial, das in den Baumschulen angeboten wird, ist zertifiziert. Das bedeutet, dass das Pflanzmaterial einer strengen Kontrolle unterliegt, bei der auf tierische Schädlinge, pilzliche Schaderreger und andere Krankheiten getestet wird. Denn nur gesunde Marillenbäume sind eine Voraussetzung dafür, dass diese Obstbäume eine lange Lebensdauer haben.

Trotz all dieser Probleme sollte auf eine Pflanzung von Marillenbäume in den Kleingärten nicht verzichtet werden. Denn mit dem Blühbeginn verbinden die Kleingärtner den Beginn des Frühlings.

 

Obstgarten von Dipl. Ing. Peter Modl


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