Die Smaragdeidechse

Juwel unter den heimischen Reptilien!

Österreich ist wohl nicht dafür bekannt, Heimat für eine Vielzahl an Reptilienarten zu sein. Dabei gibt es sehr wohl durchaus interessante, prächtig gemusterte oder gefärbte Arten. Die Smaragdeidechse ist mit ihrer auffälligen Körperfärbung mit Sicherheit eine der schönsten Vertreterinnen der heimischen Reptilienwelt.

Oft sieht man Eidechsen erst, wenn man sie unbewusst beim Sonnenbaden stört und sie blitzschnell Schutz zwischen Steinen oder hohem Gras suchen. Ihre oft an den Untergrund angepasste Färbung macht es meist besonders schwer, die in Starre zu verharrenden Tiere zu erkennen. Auch wenn Smaragdeidechsen alles andere als unauffällig gefärbt sind, sind sie dennoch eher selten zu sehen. Geduld und vor allem das Wissen, wo man suchen sollte, hilft dabei, einen Blick auf die besonderen Reptilien zu erhaschen.

So sieht sie aus, die Smaragdeidechse

Das wohl bekannteste Merkmal der Smaragdeidechse ist die Farbe ihres Körpers. Während Jungtiere zu Beginn noch einfärbig grau bis hellbraun gefärbt sind, entwickelt sich später die für die Art typische Körperfarbe. Erwachsene Weibchen sind hellgrün bis gelbgrün gefärbt. Bei männlichen Exemplaren mischt sich ein sattes dunkel- bis blaugrün hinzu. Besonders in der Paarungszeit intensiviert sich die Färbung der Kehle der Männchen sichtbar und erstrahlt weitaus deutlicher in smaragd- oder türkisgrün. Beide Geschlechter ziert außerdem eine Musterung aus kleinen, dunklen Punkten. Bei weiblichen Smaragdeidechsen sind diese nicht selten entlang heller, zarter Linien angeordnet. Nicht nur ihre Färbung, sondern auch ihre Größe machen Smaragdeidechsen zu imposanten Vertreterinnen der bei uns angesiedelten Eidechsen. Stolze vierzig Zentimeter erreichen die Kriechtiere und stellen damit andere Eidechsenarten in den Schatten und sind nicht umsonst die größte Eidechsenart in Mitteleuropa. Zu erwähnen ist hierbei, dass ein wenig mehr als die Hälfte der gesamten Körperlänge ihr Schwanz darstellt.

Lebensraum & Lebensweise

Der Lebensraum der Smaragdeidechse erstreckt sich von Teilen Mitteleuropas hin in Richtung Osten in den Balkan, über südliche Gebiete Osteuropas nach Kleinasien. Bei uns zu Lande ist sie in den östlichen Bundesländern zu finden. Nahe Wien lässt sie sich zum Beispiel mit etwas Glück im Nationalpark Donauauen entdecken. Wie alle Reptilien sind auch Smaragdeidechsen wechselwarme Tiere. Das bedeutet, dass sie ihre Körpertemperatur nicht selbst steuern können, sondern auf die Umgebungstemperatur angewiesen sind. Dies ist Grund dafür, weshalb sie besonders warme, trockene und sonnige Lebensräume bevorzugen wie etwa Böschungen und Hänge in Südlage. In ihrem Habitat legen sie außerdem Wert auf bestimmte Strukturen wie niedrige Büsche, offene Bodenstellen, Felswände, lockere oder sandige Böden sowie ein großes Angebot an Nahrung.

Auf dem Speiseplan der großen Eidechse stehen prinzipiell sämtliche Tiere, die sie überwältigen kann. Dazu zählen vor allem Heuschrecken, Spinnen, Käfer, aber auch andere Eidechsenarten oder kleine Mäuse. Trotz ihrer Größe sind auch Smaragdeidechsen nicht vor Fressfeinden sicher. Vor allem Schlangen, Greifvögel, aber auch frei laufende Hauskatzen machen Jagd auf sie. Wie andere Eidechsen auch haben Smaragdeidechsen in Laufe der Evolution eine interessante Verteidigungs- beziehungsweise Ablenkungsstrategie entwickelt. Sie sind in der Lage, ihren Schwanz abzuwerfen, um so den Jäger oder die Jägerin abzulenken. Der noch zappelnde Schwanz zieht die Aufmerksamkeit auf sich und verschafft der Eidechse selbst so wertvolle Zeit, um schnellstmöglich zu entwischen. Erstaunlich ist, dass der Schwanz zwar nicht in voller Länge, aber dennoch wieder nachwächst.

Die Paarungszeit beginnt meist gegen Ende April und reicht bis in den Mai hinein. Für Unwissende könnte das Paarungsritual der Smaragdeidechsen beinahe wie ein Kampf wirken. Dabei verbeißt sich das Männchen nämlich seitlich in den Körper des Weibchens und umklammert es mit den Hinterbeinen, um so die Kloaken beider Echsen besser in Position zu bringen. Es dauert etwa vier Wochen, bis das Weibchen mit der Ablage der befruchteten Eier beginnt. Die Ablage passiert in einer in weichem Boden gegrabenen Höhle. Besonders wichtig hierbei ist, dass die Höhle von Pflanzen überschattet wird, da sie sich ansonsten zu stark erwärmen würde. So sorgt das Weibchen dafür, dass die rund elf weißen, weichschaligen Eier perfekt temperiert bleiben. Dies ist insbesondere deshalb wichtig, weil der Zeitraum, bis die Jungechsen schlüpfen, stark von der Temperatur abhängt. So kann es passieren, dass in warmen Regionen nur etwa 50 und in kühleren Gebieten rund 90 Tage vergehen. Eine Brutpflege wird von den Elterntieren nicht betrieben. Die Jungechsen sind direkt nach dem Schlüpfen auf sich selbst angewiesen.

Adulte Smaragdeidechsen sind äußerst territorial und verteidigen ihre Reviere durchaus hartnäckig. Dabei kommt es nicht nur zu leeren Drohgebärden, sondern auch zu aggressiven Tätlichkeiten. Schläge mit dem Schwanz oder Bisse in den Nacken des Konkurrenten sind hierbei keine Seltenheit und können auch zu ernsthaften Verletzungen führen. Sollte sich die schwächere Eidechse entschließen aufzugeben, ergreift sie entweder schlicht die Flucht oder zeigt ein unterwürfiges Verhalten. Das auf der Stelle von einem Vorderbein auf das andere Stampfen wird als sogenanntes „Treteln“ bezeichnet.

Die Gefährdung der Smaragdeidechse

Smaragdeidechsen beschränken sich hierzulande auf äußerst wenige wärmebegünstigte Standorte und zählen daher als stark gefährdet. Neben der Gefährdung durch Fressfeinde ist es insbesondere die Zerstörung wichtiger Lebensräume, die der Art zu schaffen machen. Das Verschwinden von mit Sträuchern bewachsenen Böschungen sowie die mancherorts stattfindende Aufgabe von steilen Weinbauflächen wirken sich negativ auf den Bestand aus. Letztere stellen speziell aufgrund der als Lebensraum enorm wichtig gewordenen Trockensteinmauern ein unverzichtbares Habitat dar. Auch wenn das Auftreten von Smaragdeidechsen im eigenen Garten je nach Wohnort eher unwahrscheinlich ist, so lohnt sich dennoch die Anlage von Trockenbereichen, sandigen Böden oder Trockensteinmauern. Diese dienen nämlich anderen Reptilien, genauso wie Spinnen und Insekten, als ein wichtiger Lebensraum und können so ein wesentlicher Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt sein.

Tierportrait von Jakob Kuhn


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