So schmeckts am besten: Kräutervielfalt aus dem eigenen Anbau.

Kräuternachwuchs einfach selbst ziehen

Kräuter selbst anzubauen ist weniger kompliziert, als man gemeinhin denkt. Mit ein wenig Grundwissen und der passenden Ausstattung gelingt das im Handumdrehen.

 

Bei vielen Sorten reicht pro Haushalt bereits eine einzelne Pflanze, beispielsweise bei Liebstöckel, Lorbeer oder Rosmarin. Eine Aussaat lohnt hier meist nicht, da die Pflanzen lange bis zur Ernte brauchen. Praktischer ist es, kräftige Jungpflanzen in guter Qualität einzukaufen. Achten Sie dabei auf einen gesunden Wuchs, stabile Triebe und darauf, dass weder Schädlinge noch Schimmel zu erkennen sind. Zudem sollten die Pflanzen nicht mit Pflanzenschutzmitteln behandelt worden sein – fragen Sie im Fachhandel und beim Produzenten in der Nähe am besten nach Bioware

Zwei Wege der Kräutervermehrung

Wer Kräuter selbst vermehren möchte, hat grundsätzlich mehrere Möglichkeiten: die generative Vermehrung über Samen und die vegetative Vermehrung über Pflanzenteile.

Vermehrung durch Stecklinge

Die vegetative Vermehrung gelingt besonders leicht von Frühling bis Spätsommer. Für Stecklinge eignen sich etwa 5 – 10 cm lange, noch nicht vollständig verholzte Triebspitzen. So lassen sich unter anderem Duftpelargonien, Estragon, Lavendel, Lorbeer, Rosmarin, Salbei, Thymian, Ysop oder Zitronenverbene vermehren. Schneiden Sie die Triebspitzen mit einem scharfen Messer oder einer Gartenschere ab. Entfernen Sie – vor allem bei großblättrigen Arten – die unteren Blätter, um die Wurzelbildung zu unterstützen. Stecken Sie die vorbereiteten Triebe in feuchte, nährstoffarme Anzuchterde und decken Sie den Topf mit transparenter Folie oder einer abgeschnittenen PET-Flasche ab.

Kräuter teilen

Das Teilen ganzer Pflanzen ist im frostfreien Frühling oder Herbst ideal. So lassen sich Liebstöckel, Oregano, Schnittlauch oder Zitronengras unkompliziert vermehren. Graben Sie die Pflanze aus, teilen Sie den Wurzelballen mit einem scharfen Messer oder – bei kräftigen Exemplaren – mit Grabgabel oder Spaten. Setzen Sie die Teilstücke anschließend in frische Anzuchterde im Topf, im Balkonkistchen oder direkt wieder ins Beet.

Aussaat

Nicht verholzende Kräuter können problemlos über Samen vermehrt werden. Kräutersamen sind günstig erhältlich – achten Sie jedoch auf ein gültiges Haltbarkeitsdatum und bevorzugen Sie Bio-Saatgut. Eine Aussaat empfiehlt sich besonders, wenn Sie mehrere Pflanzen einer Sorte benötigen. Auf der Fensterbank gedeihen sogar empfindliche oder seltene Kräuterarten gut.

Ab in die Erde

Ein hochwertiges Substrat bildet die Grundlage für gesunde Pflanzen. Für Aussaaten ist sehr feine Anzuchterde dienlich, die den jungen Pflänzchen nicht zuviel der benötigten Nährstoffe mit auf den Weg gibt. Spezielle Kräutererde ist ganz darauf ausgerichtet.

Befüllen Sie ein sauberes Aussaatgefäß oder einen Topf mit leicht feuchter Erde, drücken Sie diese sanft an und glätten Sie die Oberfläche. Säen Sie die Samen gleichmäßig aus und drücken Sie sie leicht fest. Lichtkeimer wie Basilikum, Bohnenkraut oder Majoran dürfen nicht mit Erde bedeckt werden; andere Samen erhalten eine dünne Erdschicht, die mindestens so hoch wie die Samen sein sollte. Ein gröberes Sieb hilft, die Erde gut zu verteilen.

Wasser – das Lebenselixier

Kräuter brauchen während der Keimzeit gleichmäßige Feuchtigkeit. Die Erde darf nicht austrocknen. Sprühen Sie die Oberfläche am besten fein ein, damit die Samen nicht weggespült werden. Stellen Sie das Gefäß warm, jedoch nicht direkt in die Sonne. Für die Bewässerung eignen sich Gießkannen mit feiner Brause – im Zimmer reichen meist 1,5 Liter, im Garten dürfen es gerne 10 Liter sein. Die Löcher zeigen dabei himmelwärts.

Bereit für den Umzug

Pflänzchen werden kräftig, wenn sie regelmäßig leicht bewegt werden – draußen übernimmt das der Wind. Auch wenn sie einen Topf für sich allein bekommen oder ins Beet gepflanzt werden, stärkt sie das, so ferne sie groß genug dafür sind. Richtwert für Sämlinge, die im Frühling getopft oder ausgepflanzt werden, sind vier bis sechs gut entwickelte Blätter. Für Sämlinge genügt allgemein ein Topf mit 8cm Durchmesser. Zum Vereinzeln hilft ein Pikierholz oder Holzstäbchen die zarten Wurzeln unbeschadet aus dem Gefäß zu lösen.

Auch ältere Topfpflanzen benötigen regelmäßig frische Erde und größere Gefäße. Spätestens wenn die Wurzeln den Topf ganz ausfüllen oder unten herauswachsen, ist Umtopfzeit – idealerweise im Frühling. Das neue Gefäß sollte etwa zwei Zentimeter extra Platz bieten. Ist das nicht möglich, kann der Wurzelballen vorsichtig um etwa 2cm zugeschnitten werden. Für ein Gleichgewicht müssen dann aber auch die oberirdischen Pflanzenteile leicht zurückgeschnitten werden. Verwenden Sie hochwertige, torffreie Erde, die Wasser und Nährstoffe gut speichert und dennoch locker bleibt.

Beim Herauslösen aus alten Töpfen gilt: trockene Wurzelballen lassen sich aus Kunststofftöpfen leichter lösen, aus Tontöpfen dagegen besser, wenn sie feucht sind. Ein Messer entlang des Topfrands und ein vorsichtiger Druck mit einem Stock durch das Abzugsloch helfen ebenfalls.

Eine Drainageschicht ist sinnvoll, wenn der Topf im Freien steht. Eine Tonscherbe über dem Abzugsloch und 2 bis 3cm Kies verhindern Staunässe. Setzen Sie die Pflanzen in der bisherigen Höhe ein, lassen Sie einen 2cm hohen Gießrand und wässern Sie gründlich. Frisch umgetopfte Pflanzen sollten ab Mitte Mai für ein paar Tage halbschattig stehen, damit sie keinen Sonnenbrand bekommen.

Pflanzung ins Beet

Ob selbst gezogen oder gekauft – Kräuter freuen sich über einen Platz im Beet oder Balkonkasten. Das Pflanzloch sollte etwa doppelt so groß wie der Wurzelballen sein. Setzen Sie die Pflanze ein, füllen Sie Erde nach und drücken Sie diese vorsichtig fest. Anschließend großzügig wässern. Viel Erfolg beim Kräuteranbau!

DI Margit Beneš-Oeller, Natur im Garten


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